Frischer Schwung – was bleibt von Thomas Jung?

Heute ist es noch genau ein Jahr bis zur voraussichtlichen Bürgermeisterwahl im Kirner Land. Am 12. September 2027 sollen die Bürgerinnen und Bürger entscheiden, wer künftig die Verbandsgemeinde führen wird. Am 1. Januar 2028 endet die achtjährige Amtszeit von Thomas Jung. Zeit also, schon einmal genauer hinzuschauen: Was wird von „Frischer Schwung – Thomas Jung“ bleiben? Noch ist es zu früh für eine abschließende Bilanz. Aber ein Jahr vor der Wahl darf man durchaus fragen, ob der damalige Wahlkampfslogan noch das widerspiegelt, was die Bürgerinnen und Bürger heute mit dem Namen Thomas Jung verbinden. Als der 2019 zur Wahl antrat, stand über seiner Kandidatur ein Versprechen: „Frischer Schwung – Thomas Jung“. Der Slogan war eingängig und offenbar erfolgreich. Jung gewann die Wahl deutlich und trat im Januar 2020 sein Amt an. Doch was ist von diesem „frischen Schwung“ geblieben? Diese Frage wird sich der ehemalige Schutzmann spätestens im kommenden Wahlkampf gefallen lassen müssen. Denn nach fast acht Jahren im Amt wird es nicht mehr allein darum gehen, was man sich vorgenommen hat. Dann wird entscheidend sein, was tatsächlich erreicht wurde.

Natürlich hat die Amtszeit eines Bürgermeisters viele Facetten. Nicht alles, was in einer Verbandsgemeinde geschieht oder nicht geschieht, liegt allein in der Verantwortung des Bürgermeisters. Entscheidungen werden in Räten getroffen, finanzielle Spielräume sind begrenzt, gesetzliche Vorgaben setzen Grenzen und manches Projekt braucht schlicht Zeit. Aber genau deshalb wird es interessant sein, die Versprechen von 2019 und die Realität des Jahres 2027 miteinander zu vergleichen. Was wurde angestoßen? Was wurde umgesetzt? Was blieb liegen? Und wo hat sich das Kirner Land tatsächlich weiterentwickelt? Eine solche Bilanz sollte fair sein. Sie darf Erfolge nicht verschweigen, muss aber ebenso wenig Probleme schönreden. Und sie sollte sich nicht auf einzelne politische Auseinandersetzungen beschränken. Denn eines ist auffällig: Der Amtsbonus eines Bürgermeisters ist keineswegs automatisch garantiert. Mit Tobias Helfenstein hat inzwischen der erste Bewerber seinen Hut in den Ring geworfen. Der parteilose Kandidat hat damit frühzeitig deutlich gemacht, dass er Jung herausfordern will. Damit ist die Wahl zwar noch lange nicht entschieden. Aber sie ist politisch eröffnet.

Spannend wird nun die Frage, ob SPD und CDU eigene Kandidaten ins Rennen schicken. Oder setzen sie auf andere Lösungen? Und was macht die AfD? Wird sie einen eigenen Bewerber aufstellen oder versuchen, von einer möglichen Unzufriedenheit mit dem Amtsinhaber zu profitieren? Auch die Kommunalwahl 2024 hat gezeigt, dass sich politische Mehrheiten verändern können. Deshalb wäre es fahrlässig, heute bereits vorherzusagen, wie die Wahl 2027 ausgehen wird. Fest steht allerdings: Jung wird sich an seiner eigenen Amtszeit messen lassen müssen. Und damit schließt sich der Kreis zum Wahlkampf von 2019. „Frischer Schwung“ war damals das Versprechen. 2027 wird die entscheidende Frage lauten: War es tatsächlich frischer Schwung. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Chance des Amtsinhabers: Nicht mit einem Amtsbonus zu rechnen, sondern die verbleibende Zeit zu nutzen, um sichtbar zu machen, was aus seinen damaligen Versprechen geworden ist. Denn eines dürfte bereits heute feststehen: Die Bürgermeisterwahl 2027 wird keine reine Personenwahl. Sie wird auch eine Abstimmung über acht Jahre Amtszeit Thomas Jung sein.