Lieber Joe, du gehörst zu den wenigen Politikern anderer Parteien, mit denen ich mich duze. Das hat sicherlich auch mit einem Sympathiebonus zu tun – vor allem aber damit, dass du auch bereit bist, mal gegen den Strom zu schwimmen. Umso mehr hat mich deine Haltung zum Kirner Krankenhaus und gegenüber den Eheleuten Müller betroffen. Diesmal hatte ich allerdings den Eindruck, dass du nicht gegen den Strom geschwommen bist, sondern eher den Strudel gesucht hast. Die Kandidaten deiner Partei wurden in Kirn und Umgebung nicht für Berlin gewählt. Das ist Demokratie und muss akzeptiert werden. Daraus darf aber nicht der Eindruck entstehen, die Kirner Bürger hätten sich für die „falsche“ Seite entschieden und müssten sich deshalb an andere Politiker wenden. Besonders betroffen hat mich dein Umgang mit Ellen und Michael Müller. Ihr langjähriges Engagement herabzuwürdigen, wird ihrem Einsatz nicht gerecht. Die Kirner Bevölkerung und viele ehrenamtliche Kommunalpolitiker sehen das anders.
Nicht umsonst erhielten die Müllers 2019 für ihren Einsatz für das Kirner Krankenhaus den Harald-Flick-Preis. Vor Wahlen waren sie zudem stets gefragte Gesprächspartner von Politikern. Was mir in der Debatte fehlt, ist ein kritischer Blick auf die Kreuznacher Diakonie – einen großen Sozialkonzern, der auch von öffentlichen Mitteln profitiert. Kritische Fragen zu Managemententscheidungen, die das Kirner Krankenhaus möglicherweise geschwächt haben, müssen erlaubt sein. Lieber Joe, vielleicht schießt man als engagierter Politiker manchmal über das Ziel hinaus. Das kann passieren. Charakter zeigt sich dann in der Fähigkeit zur Selbstreflexion – und darin, auf den anderen wieder zuzugehen, einen Fehler einzugestehen und sich gegebenenfalls zu entschuldigen. Ich hoffe, dass du deine Haltung noch einmal überdenkst. Nicht meinetwegen, sondern wegen der Menschen in Kirn, die seit Jahren für ihr Krankenhaus kämpfen und vor allem eines verdient haben: Respekt.
Herzliche Grüße
Thomas



