Reisebüro Weingarten kritisiert Belehrungsfernsehen – eine Frage der Glaubwürdigkeit

Sehr geehrter Herr Weingarten, Sie haben wieder einmal einen Seitenhieb verteilt – diesmal gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ihr Vorwurf: „Mehr öffentlich-rechtliches Erziehungs- und Belehrungsfernsehen geht gar nicht.“ Auslöser war Ihre Kritik an der Berichterstattung des ZDF-„Heute Journals“ über die Klimadebatte: ein längerer Beitrag über den Klimawandel, die Erwärmung der Ostsee, die Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft sowie die Forderung nach mehr Klimaanpassung. Sie sahen darin offenbar ein Beispiel für eine aus Ihrer Sicht unausgewogene Schwerpunktsetzung und eine politische Botschaft. Ihr Beitrag blieb nicht ohne Reaktion. Unter Ihrem Post entwickelte sich eine lebhafte Diskussion – und zahlreiche Kommentatoren widersprachen Ihnen deutlich. Viele sahen gerade keine „Belehrung“, sondern den Versuch, ein Thema einzuordnen, das für Bürger, Unternehmen und Politik erhebliche Auswirkungen hat.

Da stellt sich schon die Frage: Warum muss der Cowboy in Ihnen immer wieder einen raushauen? Es wirkt oft so, als sei das eigentliche Thema zweitrangig – Hauptsache, es gelingt, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wer regelmäßig mit markigen Aussagen auftritt, muss sich auch die Frage gefallen lassen, ob es wirklich um eine ernsthafte Sachdebatte geht oder vielmehr um den nächsten politischen Aufreger. Gerade bei Ihnen drängt sich diese Frage auf. Sie sind ein hoher Vertreter des Wirtschaftsministeriums Rheinland-Pfalz, bewegen sich in politischen und internationalen Netzwerken und berichten regelmäßig über Termine im Ausland – häufig begleitet von eindrucksvollen Bildern und Einblicken in Ihre Dienstreisen. Dass internationale Kontakte und Auslandsreisen zu politischen Aufgaben gehören, steht außer Frage. Gleichwohl wird Ihre ausgeprägte Präsenz rund um den Globus von politischen Weggefährten mitunter augenzwinkernd mit dem Spitznamen „Reisebüro Weingarten“ kommentiert. Auch ZDF-Böhmermann sprang einst auf den Zug auf. Sind Sie am Ende nachtragend?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk darf kritisiert werden. Er muss sich Kritik gefallen lassen. Aber auch politische Funktionsträger müssen sich fragen lassen, ob sie dieselben Maßstäbe an sich selbst anlegen, die sie bei anderen einfordern. Die Klimadebatte ist dafür ein gutes Beispiel: Man kann über Gewichtung, Ton und Einordnung einer Berichterstattung streiten. Aber allein daraus, dass ein Thema ausführlich behandelt wird, automatisch eine „Erziehung“ der Zuschauer abzuleiten, wird der Komplexität von Journalismus nicht gerecht. Vielleicht wäre weniger Empörung und mehr Sachlichkeit manchmal der bessere Weg. Denn Vertrauen entsteht nicht durch den nächsten lauten Zwischenruf – sondern durch nachvollziehbare Argumente, Transparenz und die Bereitschaft zur Selbstkritik.

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