Auf den Punkt gebracht: Die BI Kirner Krankenhaus hat nach intensiven Gesprächen mit Politikerinnen und Politikern unterschiedlichster Couleur im Rahmen der Wahlarena sowie davor und danach ihr Fazit gezogen – und liefert damit eine seltene politische Einigkeit: So richtig überzeugend ist niemand. In ihrer frisch veröffentlichten Zusammenfassung kommt die Initiative zu dem Schluss, dass praktisch alle Parteien im Bereich Gesundheitspolitik „nur bedingt wählbar“ seien. Ein Kunstgriff, der es ermöglicht, gleichzeitig differenziert und maximal ernüchtert zu wirken. Besonders hervorgehoben wird, dass sich die politische Debatte offenbar mit großer Hingabe den Symptomen widmet – während die Ursachen höflich ignoriert werden. Die grundsätzliche Idee, das System selbst zu hinterfragen, scheint dabei ungefähr so populär zu sein wie eine zusätzliche Nachtschicht im Pflegebereich. Auch die Vielzahl an präsentierten „Lösungsansätzen“ wird gewürdigt: von neuen Strukturen über frische Begriffe bis hin zu kreativen Finanzierungsmodellen.
Laut Zusammenfassung handelt es sich dabei jedoch weniger um echte Reformen als vielmehr um gut gepolsterte Stoßdämpfer für ein System, das weiterhin fröhlich über dieselben Schlaglöcher fährt. Ein echter Systemumbau? Fehlanzeige. Die Politik, so der Tenor, wisse zwar vermutlich, dass sie ans Eingemachte müsste – entscheide sich aber wahlweise aus Vorsicht, Bequemlichkeit oder strategischer Klugheit dagegen. Immerhin bleibt ein Lichtblick: Würde man sich tatsächlich an die großen Stellschrauben wagen, könnten Milliarden eingespart und Ressourcen sinnvoller eingesetzt werden. Bis dahin jedoch bleibt die Versorgung das zentrale Ziel – und die Reform eher ein Dauerprojekt mit ungewissem Starttermin. Die Zusammenfassung der Initiative liefert damit vor allem eines: die beruhigende Erkenntnis, dass man sich vor der Wahl weiterhin frei fühlen darf – allerdings eher mangels überzeugender Alternativen als aus Überzeugung.





Über die Wählbarkeit mancher „Vereine“ möchte ich mich hier nicht gross äußern. Es sollte eine Selbstverständlichkeit für jeden denkenden Menschen sein, dass das Rechtsaußenspektrum ein Tabu bleibt.
Hinsichtlich der Gesundheitspolitik werden leider die Fakten zu wenig hervorgehoben. Diese noch mal zum Nachlesen:
1. das durch Schließung kleiner Häuser freiwerdende Personal wird sich nicht ohne weiteres den großen Zentren zuführen lassen. Der Arbeitsfrust ist mittlerweile so groß, dass wegrühren von über ein bis zwei Stunden täglich nicht in Kauf genommen werden.
2. die Versorgung der ländlichen Region durch wenige Zentren führt zu einem enormen Bedarfsanstieg an Rettungsmitteln. Lieferzeiten für einen RTW liegen bei gut zwei Jahren. Und dann muss noch jemand diese Kutsche fahren. Dieses Problem ist nicht mal mittelfristig zu lösen.
3. die Verkehrsinfrastruktur lässt zeitkritische Transporte allenfalls nur bedingt zu. 2. und 3. werden definitiv zu Toten führen.
4. sollten die verbleibenden Minieinrichtungen zur kurzfristigen Überbrückung in Notfällen verpflichtet werden, so bedeutet dies entsprechendes Vorhalten von Equipment und Personal. Dies konnte mit der vollständigen Fallpauschale finanziert werden. Da aber in Zukunft solche Patienten im Verlauf verlegt werden, werden sie nur noch zum Bruchteil abgerechnet. Das bedeutet ein weiteres Finanzdefiziz.
Diese Fakten sollten eigentlich ausreichen, jeden, der halbwegs weiß, wo Bremerhaven liegt, zum Umdenken zu bewegen.
Aus gegebenem Anlass doch noch ein paar Worte zur Wahl: ich wurde gerade aufmerksam über einen Post eines „besorgten Mitbürgers“ im SM. „Wer bei den Sprittpreisen immer noch nicht blau wählt, hat es nicht verstanden“. Nun ja, da fährt auch ein Lift nicht ganz nach oben. Preise werden bestimmt vom Anbieter. Sie richten sich nach Angebot, Nachfrage und persönlicher Gier. Das Angebot ist zur Zeit etwas knapper, da Donald the Goof mit seinen nicht minder Unbegabten einen unkontrollierbaren Flächenbrand ausgelöst hat. Die Nachfrage bestimmen wir, die Kunden. Dass wir das Auto zum Weg zur Arbeit brauchen, geschenkt. Aber jeder könnte locker viele km einsparen. Bleibt noch die Gier. Sie wird durch die Nachfrage beflügelt. Der Staat verdient mit, aber bestimmt nicht den Preis. Zu glauben, dass die AfD hier helfen kann, lässt einen ähnlich schlau wie Trump erscheinen. Aber es ist natürlich viel einfacher, in der AfD die Heilsbringung zu sehen, als Probleme wirklich lösen zu wollen. Nebenbei, sind in der AfD nicht überwiegend Fans von Trump und Putin? Ja ja, ich hab auch gelesen, dass der Malermeister sehr von erstem enttäuscht ist. Aber das macht noch keinen Frühling.