Kanzlerkrönung geplatzt – Friedrich Merz stolpert über erste Hürde

Rambo-Zambo im Berliner Bundestag – Die Sektkorken sollten knallen, doch stattdessen herrschte betretenes Schweigen: Friedrich Merz ist im ersten Wahlgang zur Kanzlerwahl gescheitert – und das ausgerechnet im eigenen Koaltions-Lager. Es war kurz Mucksmäuschenstill im Saal. Die erhoffte „Krönung“ muss nun verschoben werden. Vorerst bleibt der Platz auf dem Thron leer – oder zumindest frei für Spekulationen und Witze auf den Fluren des Bundestags. Für die sichtbar mitfiebernde und dem Anlass entsprechend schick rüberkommende Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, selbst glühende Merz-Anhängerin, war die Verkündung des Ergebnisses ein politischer Drahtseilakt. Mit fester Stimme – und vermutlich hohem Puls – verkündete sie das politische Missgeschick. Haltung bewahrte sie, auch wenn ihre Miene eher an eine abgebrochene Gartenparty erinnerte als an einen Triumphzug.

Auch im CDU-Lager des Landkreises Bad Kreuznach wurde der Sekt wohl vorsorglich wieder in den Kühlschrank gestellt. Landrätin Bettina Dickes, ebenfalls erklärte Merz-Freundin, dürfte spätestens nach dem Ergebnis das Stimmungsbarometer unter die Tischkante gedrückt haben. Immerhin: Der Schaumwein ist meist haltbar. Politische Mehrheiten offenbar nicht. Die große Frage: Wer hat dem Sauerländer Silberrücken die Gefolgschaft verweigert? Es liegt nahe, dass einige Enttäuschte Merz einen Denkzettel verpassen wollten. Neuer Wahlgang? Klar. Neue Mehrheit? Vielleicht. Neue Blamage? Hoffentlich nicht. Denn sollte Friedrich Merz auch beim nächsten Mal durchfallen, wird’s nicht nur politisch eng – sondern auch kabarettistisch ein Selbstläufer. Die heuteshow dürfte sich schon warmlaufen. Fazit: Die CDU hat (noch) keinen Kanzler – aber jede Menge Gesprächsstoff.