Sommer in Deutschland – für viele bedeutet das Eis, Freibad und möglichst viel Zeit im Schatten. Für Schülerinnen und Schüler kann der Sommer dagegen ganz anders aussehen: Wenn sich ein Klassenzimmer aufheizt, wird aus dem Lernort schnell eine kleine Sauna. Konzentration? Schwierig. Leistungsfähigkeit? Sinkt. Und die Motivation, bei 30 Grad Algebra zu diskutieren, dürfte sich ebenfalls in Grenzen halten. Die naheliegende Lösung lautet dann: Hitzefrei. Kurzstunden, Unterrichtsausfall, früher nach Hause. Das ist an besonders heißen Tagen sicher nachvollziehbar. Aber wenn heiße Tage künftig häufiger werden, kann Hitzefrei wohl kaum das langfristige Klimakonzept für unsere Schulen sein. Genau darüber wurde jetzt auch im Schulträgerausschuss des Landkreises Bad Kreuznach gesprochen. Die FDP hatte das Thema zuvor bereits im Kreisausschuss angesprochen und im Schulträgerausschuss erneut nachgehakt. Dabei wurde deutlich: Eine flächendeckende Klimatisierung der Schulen ist derzeit nicht vorgesehen. Gleichzeitig wurde aber eine andere Möglichkeit genannt: sogenannte „Kälteinseln“ innerhalb der Schulen.
Das ist immerhin ein Ansatz. Aber natürlich stellt sich die Frage, ob es wirklich die beste Lösung ist, wenn nur einzelne Bereiche einer Schule gekühlt werden, während sich andere Räume weiter aufheizen. Vielleicht wird der Stundenplan künftig nicht nur nach Fächern und Lehrkräften organisiert, sondern auch nach Raumtemperatur: „Mathe heute in der Kälteinsel, Geschichte leider im Dachgeschoss.“ Dabei muss Hitzeschutz gar nicht automatisch bedeuten, jede Schule mit Klimaanlagen auszustatten. Oft beginnt er viel früher. Außenliegender Sonnenschutz, funktionierende Jalousien, Sonnensegel, Wärmeschutzfolien, Begrünung und bessere natürliche Durchlüftung können helfen, dass sich Räume überhaupt nicht so stark aufheizen. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der Blick auf die Lüftungsanlagen, die während der Corona-Pandemie angeschafft wurden. Offenbar werden einige dieser Geräte nicht oder nur eingeschränkt genutzt, weil sie als zu laut empfunden werden. Das sollte genauer untersucht werden. Denn wenn eine Lüftungsanlage den Unterricht akustisch begleitet wie ein startender Staubsauger, darf man durchaus fragen, ob sie richtig eingestellt oder für den jeweiligen Raum geeignet ist.
Dabei könnten die Anlagen mehr leisten als nur den Luftaustausch. Eine gute Lüftung reduziert den CO₂-Gehalt und kann damit das Raumklima und die Konzentrationsfähigkeit verbessern. Mit einer intelligenten Steuerung wäre zudem denkbar, Räume außerhalb der Unterrichtszeiten gezielt zu lüften und in den frühen Morgenstunden mit kühlerer Außenluft zu versorgen. Was also fehlt, ist vor allem ein Gesamtkonzept für klimafeste Schulen. Jede Schule sollte darauf untersucht werden, wie stark sie sich im Sommer aufheizt, welcher Sonnenschutz vorhanden ist, wie gut die Lüftung funktioniert und welche Möglichkeiten zur Kühlung bestehen. Anschließend könnte nach Dringlichkeit entschieden werden, wo zuerst investiert werden muss. Denn Hitzefrei kann eine kurzfristige Notlösung sein. Es darf aber nicht zur Dauerstrategie werden. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Wann gibt es Hitzefrei? Sondern: Warum sorgen wir nicht dafür, dass unsere Schulen auch bei Sommerhitze vernünftige Lern- und Arbeitsbedingungen bieten? Denn Schulen sollten Orte zum Lernen sein – und keine Gebäude, in denen der Wetterbericht entscheidet, ob Unterricht überhaupt noch stattfinden kann.




