Trockenheit Teil II: Wenn die Nahe plötzlich den falschen Weg nimmt

Manchmal lohnt sich ein genauer Blick auf das, was direkt vor der Haustür passiert. In Hochstetten-Dhaun wurde im Zuge des Hochwasserschutzes ein neuer Seitenarm der Nahe angelegt. Die Maßnahme ist durchaus beachtlich: Rund 5,25 Hektar zusätzlicher Retentionsraum wurden geschaffen, der alte Deich teilweise zurückgebaut und das Nahevorland naturnah gestaltet. Alles im Zeichen von Hochwasserschutz und Renaturierung. Bei Hochwasser klingt das logisch. Die Nahe bekommt mehr Platz und darf sich ausbreiten. Doch was passiert eigentlich, wenn das Wasser knapp wird? Wer sich den Bereich derzeit bei Trockenheit anschaut, könnte auf die Idee kommen, dass die Nahe eine kleine demokratische Abstimmung über ihren weiteren Verlauf abgehalten hat – und der Seitenarm überraschend die Mehrheit bekommen hat. Während dort ordentlich Wasser fließt, wirkt das ursprüngliche Nahebett nach dem Abzweig teilweise erstaunlich trocken. Nun ist ein Seitenarm grundsätzlich nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Er kann ökologisch wertvoll sein und gehört offenbar ausdrücklich zum Konzept der Maßnahme. Aber muss deshalb ausgerechnet das ursprüngliche Flussbett fast trockenfallen?

Oder sollte bei Niedrigwasser nicht eher der Hauptlauf den größten Teil des Wassers bekommen? Natürlich kann es dafür eine ganz einfache hydraulische Erklärung geben. Wasser nimmt bekanntlich den Weg des geringsten Widerstands. Vielleicht liegt der Seitenarm günstiger, vielleicht ist seine Sohle tiefer, vielleicht wurde genau diese Wasserverteilung sogar so geplant. Dann wäre alles bestens. Nur wäre es interessant, das auch einmal zu erfahren. Die Hochwasserschutzmaßnahme wurde 2022 abgeschlossen. Da sollte eigentlich irgendwo festgehalten sein, wie sich die Nahe bei Niedrigwasser verhalten soll. Öffentlich leicht auffindbare Angaben zur konkreten Abflussverteilung zwischen Hauptbett und Seitenarm sind allerdings schwer zu finden. Deshalb darf man durchaus fragen: Ist es tatsächlich so geplant, dass bei Trockenheit das neue Seitenbett Wasser führt und das ursprüngliche Nahebett nahezu trockenfällt? Vielleicht lautet die Antwort „Ja“. Dann wäre die Sache erklärt. Vielleicht lautet sie aber auch „Nein“. Dann wäre es erst recht interessant zu wissen, warum die Nahe offenbar ihren eigenen Plan hat. Die kirner-land-nachrichten haben bei der SGD Nord nachgefragt. Eine Antwort steht noch aus. Denn Hochwasserschutz hin oder her: Ein Fluss sollte am Ende wenigstens noch wissen, wo er eigentlich fließen soll.

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