Als Kirn noch um seine zwei Realschulen kämpfte – was passiert im Fall einer möglichen Aufgabe der Realschule plus „Auf Halmen“ mit dem Gebäude?

Lang, lang ist das her: Als vor mehr als einem Jahrzehnt die Umstellung auf die Realschule plus diskutiert wurde, war in Kirn ordentlich was los. Auf Kyrau saß die Hauptschule, auf Halmen die Realschule – und beide Schulen kämpften mit großem Engagement für ihr jeweiliges Modell. Der damalige Landrat Franz-Josef Diel schaute sich beide Häuser an, hörte sich die Argumente der beiden Schulleiter an und sprach schließlich beiden Standorten eine Bestandsgarantie aus. Damals war das auch kein großes Kunststück: Die Schülerzahlen stimmten. Und wenn genügend Kinder da sind, lässt sich politisch wunderbar über zwei Schulen am Ort reden. Also blieben beide Standorte. Diels besonnenes und kluges Handeln war bemerkenswert. Er beendete den Zwist, bevor der an Schärfe zunehmen konnte. Woher ich das weiß? Ich saß damals für die Allgemeine Zeitung mit an den Tischen.

Heute sieht die Welt etwas anders aus. Noch stimmen die Schülerzahlen zwar – aber der Blick nach vorne ist ernüchternd. Die Geburtenzahlen sind seit dem Rekordjahr 2022 deutlich zurückgegangen. Was heute noch nach vollen Klassen aussieht, wird in einigen Jahren schlicht nicht mehr reichen, um zwei Realschulen plus in Kirn dauerhaft zu füllen. Landrätin Bettina Dickes, die ihren eigenen Angaben zufolge 2010 selbst vehement für den Erhalt zweier Schulen kämpfte, steht nun auf der anderen Seite. Die Ironie der Geschichte ist ihr durchaus bewusst: Jetzt muss ausgerechnet sie darüber nachdenken, wie aus zwei Schulen eine werden kann. Und eigentlich ist das gar keine Katastrophe, sondern Demografie. Die Kinder kommen nicht mehr in der Zahl, die man für zwei Standorte bräuchte. Das lässt sich weder per Kreistagsbeschluss noch mit einer besonders kämpferischen Elterninitiative ändern.

Natürlich wird die Debatte trotzdem emotional werden. In Kirn bedeutet „eine Schule weniger“ schnell „noch ein Stück abgehängt“ – wie schon so oft. Doch vielleicht sollte man die Sache einmal umdrehen: Nicht die Frage, welche Schule verliert, sollte im Mittelpunkt stehen, sondern wie man mit weniger Schülern möglichst viel Schule erhält. Dickes favorisiert deshalb ein Gymnasium und eine Realschule plus – möglichst gemeinsam auf dem Campus Auf Kyrau. Fachräume könnten geteilt, Angebote gebündelt und vielleicht sogar neue pädagogische Konzepte entwickelt werden. Die Alternative wäre eine IGS. Die wiederum könnte wegen ihrer Oberstufe der Berufsbildenden Schule Konkurrenz machen. Noch ist nichts entschieden. Aber diesmal kommt die Veränderung nicht plötzlich. Die Zahlen sind bekannt, die Entwicklung ist absehbar und Zeit zur Vorbereitung gibt es auch.

Und dann wäre da noch eine ziemlich banale, aber keineswegs unwichtige Frage: Was passiert eigentlich mit dem Gebäude „Auf Halmen“? Wenn dort tatsächlich irgendwann die Lichter ausgehen, bleibt schließlich ein Schulgebäude übrig. Und das hat nicht automatisch die Fähigkeit, sich in Luft aufzulösen. Leerstand? Verkauf? Eine andere schulische Nutzung? Eine kommunale oder soziale Einrichtung? Oder vielleicht doch eine ganz andere Idee? Darüber scheint die Debatte bislang noch nicht zu gehen – zumindest ist eine konkrete Nachnutzung des Gebäudes bislang nicht bekannt. Das könnte allerdings noch ein interessanter Teil der Geschichte werden. Denn ein Schulstandort verschwindet nicht einfach dadurch, dass die letzte Klasse ausgezogen ist.

Das Gebäude bleibt, ebenso wie Kosten für Unterhaltung, Heizung und Sanierung. Und wenn Kirn tatsächlich einen Standort aufgeben sollte, wäre es durchaus sinnvoll, rechtzeitig über dessen Zukunft nachzudenken, statt irgendwann vor einem leeren Schulhaus zu stehen und sich zu fragen, was man damit eigentlich machen soll.Wer die Zahlen und die Überlegungen der Landrätin im Detail nachlesen möchte: Im Öffentlichen Anzeiger wurde die aktuelle Schulsituation und die bevorstehende Entwicklung ausführlich vorgestellt. Die dort dargestellten Geburten- und Schülerzahlen machen ziemlich deutlich, warum die Diskussion jetzt auf den Tisch muss.