Manchmal lohnt sich ein Gedankenspiel: Was wäre gewesen, wenn man die Brücke einfach Brücke hätte sein lassen – also bei einer provisorischen Fußgängerlösung geblieben wäre? Statt am Ende 1,84 Millionen Euro in Stahl, Beton, Gutachten und Nachträge zu investieren, hätte die Ortsgemeinde ihren Eigenanteil auch anders einsetzen können. Selbst 20.000 Euro jährlich für den Sport hätten dem Verein über Jahrzehnte eine verlässliche Perspektive geboten. Der Sportplatz wäre weiterhin über Hochstädten mit Fahrzeugen erreichbar gewesen, und fußläufig hätte die bestehende Holzkonstruktion ihren Zweck erfüllt. Im Ortsgemeinderat gab es damals durchaus Stimmen, die die Notwendigkeit einer neuen Sportplatzbrücke kritisch sahen. Ausschlaggebend für die Zustimmung waren die veranschlagten Gesamtkosten von 500.692 Euro sowie die Aussicht auf hohe Fördermittel. Fest steht: Aus 500.692 Euro wurden zunächst 1.516.214,75 Euro und schließlich 1.839.553,40 Euro – eine Kostensteigerung von rund 267 Prozent.
Man könnte fast meinen, die Brücke sei aus Hefeteig gebaut worden – während der Bauzeit ist sie jedenfalls kräftig aufgegangen. Ob man die Entwicklung im Nachgang analysiert und kritisch hinterfragt? Wohl kaum. Die entscheidende Frage lautet daher: Wäre das Projekt mit einer von Anfang an realistisch angesetzten Gesamtsumme von fast zwei Millionen Euro überhaupt beschlossen worden? Darauf muss sich jeder seine eigene Antwort geben. Für die Vermutung, die ursprüngliche Kostenschätzung sei bewusst niedrig gewählt worden, gibt es keinen Beleg. Unbestritten ist jedoch, dass zwischen erster Kalkulation und Schlussrechnung mehr als 1,3 Millionen Euro liegen. Die eigentliche Diskussion dreht sich deshalb nicht nur um die Höhe der Schlussrechnung, sondern auch um die Frage, ob Politik und Öffentlichkeit von Beginn an mit ausreichend belastbaren Zahlen informiert wurden. Die Sportplatzbrücke verbindet heute zwei Ufer – politisch verbindet sie vor allem eine Kostenschätzung von gut einer halben Million Euro mit einer Schlussrechnung von fast 1,84 Millionen Euro. Dazwischen liegen viele offene Fragen.




