Neulich beim Bäcker: Katharina Gräff startet spontane Bürgersprechstunde

Manchmal reicht ein kurzer Gang zum Bäcker – und plötzlich steckt man mitten im Wahlkampf. So geschehen bei „Fickinger“ in Kirn. Eigentlich sollte es nur ein kurzer Stopp sein: ein Kaffee, ein Stück Kuchen. Doch für CDU-Direktkandidatin Katharina Gräff und ihren B-Kandidaten Eike Füllmann wurde daraus eine kleine Bürgersprechstunde zwischen Backtheke und Kuchenteller. Am großen Tisch saß eine Runde Senioren beim Geburtstagskaffee. Kaum hatte sich die 26-Jährige gesetzt, war sie auch schon entdeckt. Kein Wunder, lächelt sie gefühlt von jeder zweiten Laterne herunter. Am Nachbartisch ging ein Raunen herum: „Das ist doch…“ – „Ja, genau, die Gräff!“ Und schon war das „Mädche“ eingeladen, näher zu kommen.

Für die junge Winzerin kein Problem. Sie stellte sich vor, erklärte ihre politischen Ziele und erzählte ganz nebenbei von ihrem Alltag. Der ruht nämlich auch im Wahlkampf nicht. „Dreißig Stunden im Wingert – und danach Politik“, sagte sie. Das sorgte am langen Tisch für erstaunte Blicke. Wer sich im Weinberg auskennt, weiß: Das ist kein Feierabendprogramm. Gräff blieb dabei locker, offen und zugewandt. Sie hörte zu, beantwortete Fragen, lachte mit der Runde. Ein Gespräch über Gott und die Welt – und auch über Politik – aber ohne große Bühne, einfach über den Tisch hinweg bei Kaffee und Kuchen. Den Senioren gefiel diese Art. Sie kam an. Und auch dem Beobachter vor der Backtheke nötigte ihr Auftritt Respekt ab.

Einen Draht zu fremden Menschen aus dem Nichts heraus zu finden, ist schließlich nicht jedem gegeben. Zum Abschied gab es noch eine kleine Szene, die alles auf den Punkt brachte. Ein ehemaliger Landwirt aus Oberhausen rief quer durch den Raum: „Ich habe Sie gewählt!“ Landwirt trifft Winzerin – da versteht man sich. Der kurze Händevergleich zeigte sofort: Beide haben Hände, die zupacken können. Schafferhände eben. Zupacken müsste sie im Falle ihrer Wahl allerdings auf andere Weise. Doch wer sie an diesem Vormittag beim Bäcker erlebt hat, spürt: Sie ist darauf vorbereitet. Bleibt die Frage, ob die Wähler ihr das Vertrauen mehrheitlich aussprechen werden.