Wahlwerbung: Das große Hängen im Kirner Land

„Der beste Platz für einen Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen“, wusste schon Loriot. Und selten war ein Satz zeitloser als in diesen Wochen. Kaum naht eine Wahl, verwandelt sich das Kirner Land in eine Freiluftgalerie politischer Selbstinszenierung. An jeder Laterne lächelt jemand staatsmännisch in Richtung Zukunft, von jedem Baum blickt uns entschlossen die Verantwortung entgegen. Besonders präsent: die SPD. Ministerpräsident Alexander Schweitzer grüßt im XXL-Format. Daneben Denis Alt. Mal Seite an Seite, mal solo – wie ein politisches Duo im Dauerwahlkampf. Wer den Blick hebt, sieht Alt. Wer ihn senkt, vermutlich auch. Dabei war es in den vergangenen Jahren erstaunlich ruhig um ihn – zumindest im Kirner Land.

Gefühlt unsichtbar. Kaum wahrnehmbar. Und zu hören war ebenfalls wenig. Doch pünktlich zum Wahlkampf ist er plötzlich wieder überall: auf Plakaten, bei Veranstaltungen, auf Ortsterminen und in den sozialen Medien. Ein politisches Comeback wie aus dem Lehrbuch „Wiederentdeckung in 90 Tagen“. Vor fünf Jahren holte er noch satte 42,5 Prozent und rund 14.000 Direktmandate – eine Zahl, die man sich gern einrahmt. Ob sie diesmal wieder erreicht wird? Nun ja. Eher nicht. Im Gegenteil. Doch Optimismus hängt bekanntlich wetterfest laminiert an jeder Laterne. Wahlplakate sind faszinierende Dinge. Sie zeigen Nähe, ohne anwesend zu sein. Engagement, ohne es erklären zu müssen. Verantwortung – gedruckt auf Kunststoff. Ganz recht, Herr Loriot: Auf dem Wahlplakat ist der Politiker am besten aufgehoben. Dort bleibt er still, freundlich – und zur Not schnell wieder abgehängt.