Sieben Tage sind im Wahlkampf eine kleine Ewigkeit. Während anderswo Debatten längst weitergezogen, Positionen geschärft oder kassiert worden sind, entdeckt der Öffentliche Anzeiger die Wahlarena von Staudernheim im gemütlichen Rückspiegelmodus. Man erfährt noch einmal, wer da war, was gesagt wurde und dass es Applaus gab – fast wie ein politisches Heimatmuseum: „So diskutierte man einst, vor einer Woche.“ Gerade bei einem Format, das Bürgernähe, direkte Konfrontation und pointierte Positionen verspricht, hätte man mehr erwarten dürfen als eine verspätete Nacherzählung. Wo bleibt die Aktualität? Wo bleibt die Einordnung? Wo die Frage, wer ausgewichen ist, wer Substanz geliefert hat, wessen Konzepte realistisch sind? Eine Wahlarena ist kein Seniorennachmittag mit Protokollpflicht, sondern politischer Wettkampf. Dazu gehört Bewertung. So bleibt ein sauber geschriebener, freundlicher Bericht – aber ohne Biss. Und vor allem ohne Kommentar. Wer eine Bühne beschreibt, sollte auch sagen, wer darauf überzeugt hat und wer nur Kulisse blieb. Sonst wirkt das Ganze wie Demokratie im Schonwaschgang.
Wahlarena im Rückspiegel: Sieben Tage später berichtet der Öffentliche Anzeiger





Der Bericht in der Zeitung war gut und neutral; daran können sich andere Journalisten ein Beispiel nehmen. Viel interessanter waren die Formulierungen über den Ortsbürgermeister von Staudernheim, der erreicht hat, was er wollte: sich immer mehr als „freier“ Bürgermeisterkandidat für die Verbandsgemeinde in Stellung zu bringen, gesteuert von der CDU.