Was einem so alles auffällt beim Lesen der Zeitung: Unter großem Pomp, begleitet von politischer Prominenz und bewaffnet mit einer Schere, wurde am vergangenen Samstag die Merxheimer Ortsdurchfahrt feierlich freigegeben. Nach Jahren der Baustelle ist nun endlich wieder freie Fahrt möglich – ein Meilenstein für das Dorfleben, das laut offizieller Verlautbarungen ab sofort „ohne Einschränkungen“ stattfinden kann. Zur Feier des Tages reiste sogar die Ministerin für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz, Daniela Schmitt, an. Landrätin Bettina Dickes zeigte sich erleichtert: Die Strapazen seien überstanden, das Dorf könne wieder durchatmen. Und tatsächlich: Asphalt glänzt, Bordsteine sitzen, das Band wurde fachgerecht durchtrennt. Alles bestens. Fast alles. Denn während auf der Oberfläche der Fortschritt gefeiert wird, herrscht wenige Zentimeter darunter weiterhin Funkstille. Der Glasfaserausbau – seit rund drei Jahren abgeschlossen, verlegt, angeschlossen und dennoch funktionslos – verharrt unbeirrt im digitalen Standby-Modus.
In vielen Merxheimer Haushalten blinkt weiterhin das rote Licht der Hoffnungslosigkeit. Internet? Vielleicht morgen. Oder übermorgen. Oder irgendwann. Ob dieses kleine Infrastrukturdetail bei den Feierlichkeiten zur Sprache kam, ist nicht überliefert. Vermutlich nicht – schließlich hätte es die ausgelassene Stimmung empfindlich stören können. Man wollte feiern, nicht erinnern. Dabei war die Beteiligung der Bevölkerung enorm: Zahlreiche Merxheimerinnen und Merxheimer waren gekommen, um die neue Straße zu bestaunen, die zweifellos notwendig war und das Ortsbild deutlich aufwertet. Eine Hauptstraße ist eben mehr als nur Asphalt – sie ist Lebensader, Umleitungstrauma und Geduldsprobe zugleich. Nun ist dieses Kapitel beendet. Die Straße ist frei. Das Dorf rollt wieder. Bleibt nur noch eine Kleinigkeit: das Internet. Aber keine Sorge – das Kabel liegt ja schon da.




Starlink regelt. Wozu noch altes Kabel?