Die vielen Bühnen der Bundestagspräsidentin

Kein Fastnachtsscherz am 11.11.! Man könnte sich fragen, ob das Amt einer Bundestagsvizepräsidentin nicht bereits ausreichend Aufgaben bereithält: Sitzungsleitung, Protokollfragen, Vermittlung zwischen den Fraktionen, repräsentative Termine im In- und Ausland – Arbeit gäbe es genug. Bei Julia Klöckner entsteht jedoch zuweilen der Eindruck, dass bloße Routine nicht ihr bevorzugter Modus ist. Es darf gern etwas mehr Öffentlichkeit sein für die Nummer Zwei im Staat, etwas mehr Dynamik, ein wenig Glanz. Nachdem letzte Woche ihre Formulierung vom „Puff Europas“ für breite mediale Aufmerksamkeit sorgte, folgte nun in den Schlagzeilen die Episode um den kurzfristigen Einsatz als Naheweinkönigin. Das Bild von Klöckner als spontane Ersatz-Repräsentantin zwischen Parlamentsprotokoll und Weinfest wirkt ungewöhnlich, aber durchaus konsistent mit ihrem öffentlichen Auftreten:

Ein Grußwort hier, eine Krone dort, politischer Tonfall mit regionaler Feststimmung – Weinmarketing mit Hauptstadtakzent. Und so stellt sich die Frage: Warum sollte es dabei bleiben? Denkbar wäre beispielsweise ein gemeinsamer Auftritt mit ihrem Lebenspartner Jörg Pilawa im Unterhaltungsformat. Etwa als Co-Moderatorin oder unterstützende Präsenz, die Kandidatinnen und Kandidaten freundlich durch die Studiosituation geleitet. Ein kurzer Kommentar mit augenzwinkernder Note – und Pilawa könnte auf einen vertrauten Bühnenrhythmus bauen. So zeigt sich: Öffentlichkeit ist nicht nur ein politischer Raum, sondern auch eine Inszenierungsfläche. Wege zwischen Parlamentsbetrieb, regionaler Repräsentation und Medienlicht sind manchmal kürzer, als man denkt.