Die Mufflons sind weg. Einfach so. Gestern noch standen sie stoisch am Straßenrand zwischen Hochstetten und Oberhausen und ließen sich vom Feierabendverkehr nicht beeindrucken, heute ist die Landschaft mufflonfrei. Wer mit offenen Augen durch den Dhauner Wald streift, findet nur noch Wiesen ohne Wollknäuel. Die Theorien überschlagen sich: Die einen sagen, die Jäger hätten die Tiere gleich reihenweise ins Jenseits befördert – neuerdings sogar nachts, damit es schneller geht. Andere schwören, die Solarparks hätten die Mufflons vergrault: zu viel Glas, zu viel Zaun, zu wenig Gras. Wieder andere sind überzeugt, dass die Tiere freiwillig die Koffer gepackt haben, weil sie keine Lust mehr hatten, immer als Schuldige für jeden umkippenden Hang herzuhalten. Die Mufflons selbst schweigen, was – zugegeben – schon immer ihre Art war. Fest steht: Das Bild in dem beschriebenen Landstrich hat sich verändert. Wo früher Hörner blitzten und Schafe mit Durchblick grasten, herrscht heute gähnende Leere. Vielleicht tauchen sie eines Tages wieder auf, vielleicht auch nicht. Vielleicht stehen sie schon in einer Nachbargemeinde auf der Wiese und lachen sich ins Horn über die Aufregung. Weiß jemand mehr?




