Der Sommer zeigt gerade, was er kann. Die Sonne hängt unbeweglich am Himmel, das Thermometer klettert zielsicher auf 38 Grad. Im Schatten, wohlgemerkt. Wer jetzt in einem kühlen Büro sitzt oder sich vom Ventilator sanft anpusten lässt, mag den Sommer preisen. Doch für viele sieht die Realität anders aus: Sie arbeiten draußen – auf Baustellen, in Gärten, auf Straßen oder beim Müllsammeln. Dort, wo der Asphalt flimmert, der Schweiß in Strömen läuft und selbst das Werkzeug gefühlt die Temperatur einer Herdplatte hat. Gerade jetzt gilt: viel trinken. Nicht nur den obligatorischen Kaffee am Morgen, sondern Wasser, Schorle, Iso-Getränke – egal was, Hauptsache flüssig und kühl. Der Körper braucht jeden Tropfen, um nicht schlappzumachen, und zwar lange bevor der Durst sich meldet. In solchen Momenten drängt sich der Gedanke auf: Wäre es nicht sinnvoll, den Arbeitstag zu verlegen? Morgens beginnen, wenn die Luft noch frisch ist, oder am Nachmittag eine Hitzepause einlegen – wie in südlichen Ländern längst üblich.
Das klingt nicht nur gemütlich, sondern schützt auch die Gesundheit. Ob solche Modelle im Kirner Land schon Alltag sind? Oder hält man hier noch an der Devise fest: „Da müssen wir jetzt durch“? Dabei wäre es höchste Zeit, Hitzeschutz nicht nur als nette Idee, sondern als Teil der Fürsorgepflicht zu begreifen. Dazu gehören eben auch ausreichend Getränke – nicht nur, wenn zufällig jemand daran denkt. Bis dahin bleibt allen, die draußen schuften, nur eins: trinken, schwitzen, durchhalten – und hoffen, dass irgendwann nicht nur die Sonne, sondern auch das Verständnis aufgeht. Wer weiß – vielleicht hilft es, wenn Entscheidungsträger mal selbst ein paar Stunden im Hochsommer auf dem Pflaster stehen. Das sorgt garantiert für eine andere Art von Aufklärung. Wohl dem, der seine Arbeitskraft nicht mehr einsetzen muss und sich die Hitze angenehm gestalten kann.



