Der Wirtschaftsweg oder Promilleweg zwischen dem Karlshof und St. Johannisberg war schon immer eine beliebte Abkürzung. Und er wird es auch bleiben. Daran dürften selbst regelmäßige Polizeikontrollen oder Panzersperren kaum etwas ändern. Wer den Weg kennt, nutzt ihn offenbar gerne – ganz gleich, ob dort ein Durchfahrtsverbot gilt oder nicht. Dass den Beamten der Polizeiinspektion Kirn – wie in der Pressemeldung geschrieben – innerhalb kürzester Zeit gleich sechs Fahrzeugführer ins Netz gingen, ist deshalb auch keine wirkliche Überraschung. Schließlich ist das kein Einzelfall und schon gar kein neues Phänomen. Tagtäglich rollen dort unzählige Fahrzeuge durch. Darunter nicht nur Pkw, sondern auch Lastkraftwagen und andere größere Fahrzeuge, die auf einem Wirtschaftsweg eigentlich nichts verloren haben.
Die Polizei berichtet zudem von positiver Resonanz eines Anliegers. Das ist insofern bemerkenswert, als es dort bekanntlich nur einen Anlieger gibt – und dieser mit den kontrollierenden Beamten nach eigener Kenntnis heuer gar nicht gesprochen hatte. An seiner grundsätzlichen Zustimmung zu solchen Kontrollen ändert das allerdings nichts. Im Gegenteil: Mehr davon wären durchaus wünschenswert. Das leidige Thema Wirtschaftsweg. Es wird vermutlich nie enden. Die einen nutzen ihn als praktische Abkürzung, die anderen ärgern sich darüber, und die Polizei schaut gelegentlich nach dem Rechten. Ein durchaus bewährtes Drehbuch mit überschaubarem Überraschungseffekt.
Und diejenigen, die es diesmal erwischt hat, sollten sich nicht allzu sehr grämen. Meist handelt es sich ohnehin um Dauerbenutzer, die den Weg vermutlich schon häufiger und bislang ohne finanzielle Folgen befahren haben. Diesmal wurden eben 50 Euro fällig. Das ist zwar ärgerlich, aber vielleicht eine kleine Erinnerung daran, dass ein Durchfahrtsverbot nicht nur eine unverbindliche Empfehlung ist. Ob die sechs Verwarnungen allerdings dafür sorgen, dass künftig weniger Fahrzeuge dort unterwegs sind? Man darf durchaus Zweifel haben. Denn spätestens morgen ist die Versuchung zur Abkürzung wieder da. Und der Wirtschaftsweg wird vermutlich das bleiben, was er schon immer war: eine Abkürzung, die für manche einfach zu verlockend erscheint, um sie nicht zu nutzen.




