Die Kirner Privatbrauerei war Drehort für einen Beitrag zur Zuckersteuer. Und unter dem Schornstein ist man not amused über die Idee aus Berlin. Betriebsleiter Thorsten Beck redete im Interview Tacheles: „Eine Steuer, die erfunden wurde, um leere Kassen zu füllen. Auf Schokolade und Gummibärchen gibt es ja auch keine Zuckersteuer.“ Hat der Mann einen Punkt? Aus seiner Sicht ganz gewiss. Schließlich bringt die Brauerei mit Produkten wie ColaMix längst Alternativen zum klassischen Bier auf den Markt. Und wenn ausgerechnet solche Getränke künftig stärker belastet werden, während andere Süßigkeiten außen vor bleiben, darf man schon fragen, ob das alles gerecht zugeht. Aber jetzt mal langsam. Natürlich hat der Staat ein Interesse daran, die Zuckeraufnahme zu verringern. Zu viel Zucker ist ein Gesundheitsproblem. Und andere Länder, etwa Großbritannien, zeigen, dass eine Zuckersteuer durchaus etwas bewegen kann. Dort haben Hersteller den Zuckergehalt vieler Getränke reduziert, um die Steuerbelastung zu senken. Das war schließlich eines der erklärten Ziele. Und was passiert in Kirn? Im Schlusssatz des Beitrags heißt es, „die Privatbrauerei tüftle an Rezepten mit weniger Zucker oder alternativen Süßungsmitteln.“
Na also! Erst wird geschimpft, dann wird nach Lösungen gesucht. Das ist zwar menschlich, aber am Ende zählt, was dabei herauskommt. Wenn eine Steuer dazu führt, dass Getränke weniger Zucker enthalten, könnte das tatsächlich ein Schritt in die richtige Richtung sein. Und die Kirner Privatbrauerei schreitet mit. Gut so. Natürlich bleiben Fragen offen. Warum werden bestimmte Produkte besteuert und andere nicht? Wie hoch muss eine solche Abgabe sein, damit sie etwas bewirkt? Und wie verhindert man, dass am Ende nur die Verbraucher tiefer in die Tasche greifen, ohne dass sich am Zuckergehalt etwas ändert? Doch vielleicht zeigt gerade das Beispiel aus Kirn, worauf es ankommt: Nicht jede politische Maßnahme muss einem gefallen. Man kann sie kritisieren, ihre Ausgestaltung hinterfragen und trotzdem prüfen, was sich daraus machen lässt. Denn wer sich nur aufregt, ändert noch lange keine Rezeptur. Wer nach Alternativen sucht, vielleicht schon. In Kirn scheint man jedenfalls verstanden zu haben, worum es jetzt geht: weniger schimpfen, mehr tüfteln. Geht doch.




