Rund 1.000 Patientinnen und Patienten der Nahetalpraxis in Idar-Oberstein müssen sich nach der Aufgabe des bisherigen hausärztlichen Versorgungsauftrags eine neue Hausarztpraxis suchen. Im Interview erklärt die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz, warum sie selbst nicht über die Vergabe des Praxissitzes entscheidet, welche Rolle der Zulassungsausschuss spielt und wie der frei gewordene Hausarztsitz weitergeführt werden soll. Zudem geht es um die angespannte hausärztliche Versorgung in der Region, mögliche Hilfen für die Betroffenen und die grundsätzlichen Herausforderungen der ambulanten Versorgung in Rheinland-Pfalz.
Warum wurde die hausärztliche Versorgung der Nahetalpraxis beendet und stattdessen eine fachinternistische Zulassung ermöglicht?
KV Rheinland-Pfalz: Zunächst ist wichtig, die Zuständigkeit zu klären: Die KV Rheinland-Pfalz vergibt oder verändert keine Arztsitze. Darüber entscheidet der gesetzlich unabhängige Zulassungsausschuss, der paritätisch mit Vertretern der Ärzte und der Krankenkassen besetzt ist. Die KV führt lediglich die Geschäftsstelle dieses Ausschusses und hat keinen Einfluss auf dessen Entscheidungen. Im konkreten Fall bestand seitens der Ärztin der Wunsch, nicht mehr hausärztlich, sondern als Fachärztin für Innere Medizin tätig zu sein. Der Zulassungsausschuss hat diesem Wunsch entsprochen und eine fachinternistische Zulassung erteilt. Da eine Tätigkeit auf zwei Sitzen gleichzeitig nicht möglich ist, musste die hausärztliche Zulassung aufgegeben werden.
Nach welchen Kriterien wurde diese Entscheidung getroffen und wurde dabei die angespannte hausärztliche Versorgung in Idar-Oberstein berücksichtigt?
KV Rheinland-Pfalz: Die konkreten Gründe und die Entscheidungsfindung des Zulassungsausschusses können wir aufgrund der gesetzlichen Vorgaben nicht offenlegen. Grundsätzlich richtet sich die Bedarfsplanung nach den bundesweit geltenden Vorgaben der Bedarfsplanungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Unabhängig davon ist festzustellen, dass hausärztliche Ressourcen in Rheinland-Pfalz zunehmend knapp werden, insbesondere in ländlichen Regionen. Gründe sind unter anderem der demografische Wandel, der Fachkräftemangel, bürokratische Belastungen und die begrenzte Zahl medizinischer Studienplätze.
Ist der bisherige Hausarztsitz damit endgültig verloren?
KV Rheinland-Pfalz: Nein. Der Hausarztsitz wurde nicht in einen Facharztsitz „umgewandelt“. Er fällt wieder in die Bedarfsplanung zurück und steht damit grundsätzlich für eine erneute Besetzung zur Verfügung. Interessierte Ärztinnen und Ärzte können sich entsprechend der geltenden Regelungen um diesen Sitz bewerben.
Wurde angesichts der rund 1.000 betroffenen Patientinnen und Patienten nach einer konkreten Nachfolgelösung gesucht?
KV Rheinland-Pfalz: Die KV Rheinland-Pfalz vergibt keine Vertragsarztsitze und kann deshalb auch nicht selbst einen konkreten Nachfolger einsetzen. Entscheidend ist, dass der hausärztliche Sitz weiterhin Bestandteil der Bedarfsplanung ist und grundsätzlich neu besetzt werden kann. Wann tatsächlich eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden wird, lässt sich derzeit nicht sagen.
Wie bewertet die KV die Situation für die betroffenen Patientinnen und Patienten, die nun selbst einen neuen Hausarzt suchen müssen?
KV Rheinland-Pfalz: Die hausärztliche Versorgungssituation ist in Rheinland-Pfalz insgesamt angespannt. Gerade in ländlichen Regionen kann dies dazu führen, dass Patientinnen und Patienten längere Wege in Kauf nehmen müssen oder nicht sofort eine wohnortnahe Praxis finden. Für die Suche nach einer hausärztlichen Versorgung steht unter anderem die Terminservicestelle 116117 zur Verfügung. Auch über die Arztsuche der KV können Praxen recherchiert werden.
Welche konkreten Möglichkeiten gibt es kurzfristig für die betroffenen Patienten in Idar-Oberstein?
KV Rheinland-Pfalz: Neben der Unterstützung über die 116117 und die Arztsuche können auch mobile Versorgungslösungen zum Einsatz kommen. In Idar-Oberstein war Anfang September bereits eine mobile Praxis im Einsatz. In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit zwei mobile Praxen. Wo diese eingesetzt werden, wird anhand einer fachlichen Bewertung des Versorgungsbedarfs entschieden. Voraussetzung ist außerdem, dass vor Ort die notwendige Infrastruktur zur Verfügung steht.
Welche Auswirkungen hat der Wegfall der hausärztlichen Versorgung auf die allgemeine ambulante Versorgung in der Region?
KV Rheinland-Pfalz: Der Fall steht aus Sicht der KV Rheinland-Pfalz beispielhaft für eine Entwicklung, die sich landesweit beobachten lässt. Hausärztliche Ressourcen werden knapper, während gleichzeitig der Bedarf steigt. Die KV sieht deshalb grundsätzlichen Reformbedarf bei der Bedarfsplanung und fordert politische Maßnahmen, um die ambulante Versorgung langfristig zu sichern.
Was bleibt den rund 1.000 betroffenen Patienten am Ende?
KV Rheinland-Pfalz: Kurzfristig bleibt die Möglichkeit, über die 116117 und die Arztsuche der KV eine neue hausärztliche Versorgung zu finden. Entscheidend ist aber auch: Der bisherige Hausarztsitz ist nicht verschwunden. Er ist wieder Bestandteil der Bedarfsplanung und kann grundsätzlich neu besetzt werden. Wann dies gelingt, hängt davon ab, ob sich eine geeignete Ärztin oder ein geeigneter Arzt findet und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt.





1.000 Patienten stehen in Idar-Oberstein plötzlich ohne Hausarzt im Regen, während sich die Institutionen hinter Paragrafen verstecken und auf eine freie Stelle auf dem Papier verweisen, für die es in der Praxis keinen Arzt gibt. Das Interview selbst bleibt dabei eine vertane Chance, da die KV lediglich Zuständigkeiten von sich weist, statt den verunsicherten Menschen vor Ort einen greifbaren Lösungsweg aufzuzeigen. Schade.