Es gibt politische Nachrichten, bei denen man zunächst glaubt, versehentlich die Satireseite geöffnet zu haben. Und dann stellt man fest: Nein, offenbar ist es tatsächlich ernst gemeint. Noch vor wenigen Tagen wurde Julia Klöckner als mögliche neue Bundespräsidentin ins Gespräch gebracht. Ihr Name fiel immer wieder. Deutschland hat wahrlich schon einiges erlebt. Aber irgendwann muss doch Schluss sein mit den politischen Zumutungen. Klöckner ist zweifellos eine Politikerin, die ihrem Wahlkreis nahe ist – das sei ihr ausdrücklich zugestanden. Doch hat sie nicht längst mehr als genug Stufen auf der politischen Karriereleiter erklommen? Muss es immer noch ein bisschen höher, ein bisschen bedeutender, ein bisschen mehr Schloss Bellevue sein? Manchmal sollte man auch erkennen, wann es gut ist. Nicht jeder politische Lebenslauf braucht zwingend noch ein repräsentatives Krönchen.
Inzwischen scheint sich allerdings eine andere Personalie herauszukristallisieren: Ilse Aigner. Und wenn es schon eine Frau aus der Union sein soll, dann doch lieber die Ilse aus Bayern! Aigner hätte zumindest etwas Bayerisches, Bodenständiges und Eigenständiges in dieses Amt einzubringen. Eine Politikerin, die nicht erst den Eindruck erwecken müsste, als sei mit Schloss Bellevue nun auch noch die letzte Sprosse einer ohnehin beachtlichen Karriere erreicht. Das höchste Staatsamt ist schließlich kein Versorgungsposten für verdiente Parteisoldaten und auch keine politische Resterampe. Es sollte von einer Persönlichkeit ausgefüllt werden, die über den Niederungen des parteipolitischen Tagesgeschäfts steht und dem Land Orientierung gibt. Ob Ilse Aigner diese Erwartungen erfüllen könnte, wäre zumindest eine ernsthafte Diskussion wert. Bei Julia Klöckner dagegen hätte man sich schon fragen dürfen, ob die Republik wirklich noch ein weiteres Kapitel ihrer politischen Karriere benötigt.
Aber immerhin: Sollte Klöckner wider Erwarten doch noch ins Schloss Bellevue einziehen, wäre Jörg Pilawa als First Man an ihrer Seite. Dann bekäme das hohe Haus womöglich eine ganz neue Bedeutung. Pilawa könnte dort nicht nur repräsentieren, sondern aus dem Kaminzimmer heraus gleich eine wöchentliche Quizsendung ins öffentlich-rechtliche Fernsehen bringen. Die Frage der Woche: „Wer wird Bundespräsident?“ Die Antwort wäre allerdings schon vor der Sendung bekannt. Nein, Deutschland hätte wahrlich Besseres verdient. Und sollte sich Ilse Aigner tatsächlich als Favoritin durchsetzen, wäre das immerhin ein Anlass, wieder etwas mehr Vertrauen in die politische Personalfindung zu entwickeln. Bleibt nur zu hoffen, dass die Bundesversammlung am Ende nicht doch noch einen Überraschungskandidaten aus dem Hut zaubert. Denn irgendwann sollte auch die politische Realsatire ihre Grenzen kennen.





Wir hatten bereits hervorragende Bundespräsidenten , die Haltung zeigten und Orientierung gaben. Moderierten und einbanden.Ob der ausscheidende Bundespräsident seiner Rolle gerecht werden konnte , wird natürlich subjektiv gewertet . Angesichts des Aufwands von einer runden Milliarde im Zuge der Renovierung vom Schloss Bellevue wird jeder Bürger die Bedeutung des Amtes mit seiner ganz eigenen Sicht werten.