Die Deutsche Post plant zum 1. Januar 2027 eine kräftige Portoerhöhung. Der Standardbrief soll von 95 Cent auf 1,15 Euro steigen – ein Aufschlag von rund 21 Prozent. Die endgültige Genehmigung steht noch aus. Für Privatleute ist das ärgerlich. Für Behörden, die täglich zahlreiche Briefe verschicken, könnte es richtig teuer werden. Ein Beispiel sind die VG-Werke: Gebührenbescheide müssen raus, manchmal wieder zurückgenommen werden, anschließend trudeln Widersprüche ein, die schriftlich beantwortet werden müssen. Und schon wandern mehrere Briefe für ein und denselben Vorgang durch das Kirner Land. Alles schon dagewesen. Bei 10.000 Briefen sind das bereits 6.000 Euro Mehrkosten. Wohlgemerkt: eine Modellrechnung, keine tatsächliche Statistik der Verbandsgemeinde.
Die Portokosten landen zunächst im öffentlichen Haushalt – und werden damit letztlich von der Allgemeinheit mitgetragen. Und da stellt sich eine ganz andere Frage: Warum geht das nicht längst elektronisch – wie in anderen Kommunen? Digitale Behördenpost, elektronische Bescheide und sichere Online-Kommunikation könnten Papier, Porto und Bearbeitungsaufwand zumindest im Regelfall sparen. Eine digitale Nachricht verursacht im laufenden Versand praktisch keine zusätzlichen Portokosten. Natürlich braucht es sichere Systeme, Datenschutz und eine funktionierende digitale Infrastruktur. Aber genau dafür sollte Verwaltung im 21. Jahrhundert doch stehen. Stattdessen droht ein absurdes Schauspiel: Der Bescheid kommt per Brief, die Korrektur kommt per Brief, die Antwort auf den Widerspruch kommt per Brief – und die Post kassiert bei jedem Umschlag erneut.




