1,2 Kilometer Radweg, bis zu 2,5 Millionen Euro Kosten und möglicherweise sieben Jahre Planung: Der SWR hat sich heute mit dem geplanten Radweg in Idar-Oberstein beschäftigt. Die zentrale Frage des Beitrags: Warum kann es bis zu 2033 dauern, einen gut einen Kilometer langen Radweg zu bauen? Die Gründe sind vielfältig: Naturschutzgutachten, Wiesenkartierungen, Genehmigungsverfahren, gesetzliche Vorgaben und schwierige topografische Bedingungen. Hinzu kommen zahlreiche beteiligte Behörden und die Suche nach Fördermitteln. Wer dabei an den Radweg Kellenbachtal denkt, erkennt die Parallelen sofort. Auch dort wird seit Jahren auf eine sichere Radverbindung gewartet. Bereits 2017 forderten Bürger und Bürgermeister einen rund 13 Kilometer langen Radweg von Simmertal bis Gehlweiler, der den Schinderhannes-Radweg mit dem Naheradweg verbinden soll. Die Strecke entlang der B 421 gilt gerade für Radfahrer wegen des engen, kurvenreichen und stark von Lastwagen befahrenen Tals als problematisch. Und das Thema ist keineswegs vom Tisch: 2022 wurde die Forderung erneut politisch aufgegriffen.
Nach Angaben der damaligen Initiative lagen bereits Planskizzen vor; an einzelnen Stellen wurden noch Lösungen gesucht. Politiker ließen sich am Banner ablichten, aber passiert ist nichts. Unter uns, selbst in 20 Jahren kommt das Projekt nicht in die Pötte. Traurig aber wahr! Die Parallelen zum aktuellen SWR-Bericht sind unübersehbar: Ein Radweg wird dringend gewünscht, politisch unterstützt und über Jahre geplant – doch zwischen der ersten Forderung und dem tatsächlichen Bau liegen offenbar Welten. Man kann es nüchtern mit den Worten des SWR sagen: Am Ende braucht es neben allen Gutachten, Vorschriften und Förderprogrammen auch politischen Willen und Entscheidungsfreude, damit solche Projekte nicht endlos dauern. Oder man formuliert es zugespitzt: Wir wollen klimafreundliche Mobilität, wir wollen sichere Radwege – aber wir schaffen es inzwischen kaum noch, einen Radweg zu bauen. Sieben Jahre für einen Kilometer. Mehr als ein Jahrzehnt Forderungen im Kellenbachtal ohne Ergebnis geschweige denn sichtbare Strecke. Da darf man sich schon fragen: Was ist eigentlich aus unserer Fähigkeit geworden, Infrastruktur einfach zu planen und anschließend auch zu bauen? Wir können offenbar nichts mehr in Deutschland – noch nicht einmal mehr Radwege.




