Die Bürgerinitiative Limbachtal setzt sich seit Jahren kritisch mit der Zukunft der Trinkwasserversorgung im Kirner Land auseinander. Vor sechs Monaten richtete sie einen umfangreichen Fragenkatalog an mehrere rheinland-pfälzische Fachbehörden. Im folgenden Interview berichtet BI-Sprecher Carl Rheinländer über den Stand der Dinge, seine Einschätzung zur Wasserversorgung sowie über die aus seiner Sicht notwendigen politischen und kommunalen Weichenstellungen.
Frage: Vor sechs Monaten hat die Bürgerinitiative Limbachtal, deren Sprecher Sie sind, ein sehr umfangreiches Schreiben mit Fragen zum Thema „Zukunft der Trinkwasserversorgung im Kirner Land“ an rheinland-pfälzische Fachbehörden geschickt. Hat die BI mittlerweile eine Antwort bekommen?
Rheinländer: Nein. Außer dass ein Landesamt seine Nichtzuständigkeit erklärt hat, ist bisher nichts gekommen. Allerdings muss man berücksichtigen, dass sehr spezielle Fragen und Vorschläge dabei waren. Will die Behörde diese wirklich konstruktiv beantworten, erfordert das eine doch aufwändigere Kommunikation innerhalb der unterschiedlich zuständigen Abteilungen. Das kostet Zeit.
Frage: Und dann ist jetzt wahrscheinlich auch noch Sommerpause.
Rheinländer: Genau. Also warten wir ab, bis die vorbei ist, und haken dann nach. Die Fachbehörden können das Thema nicht so handhaben wie die Verwaltung im Kirner Land. Die hat alle Schreiben zur Sache, alle Widersprüche, Anträge der BI aus der Zeit, als wir noch im Rat vertreten waren, und auch andere Fragen der BI zum Thema einfach ignoriert.
Frage: Was glauben Sie, woran das liegen könnte?
Rheinländer: Gute Frage. Wieso beschränken sich die Spitzen von Verwaltung, Werken und Ratsparteien auf bloße Niedergangsverwaltung? Vielleicht aus Inkompetenz? Oder aus Gleichgültigkeit? Jedenfalls ist der Sinn für die Notwendigkeit, Alternativen zu diskutieren, Vorschläge kritischer Bürger anzuhören und neue Wege zu gehen, verloren gegangen.
Frage: Das erinnert an das Motto der Demo von Mitte Juni auf dem Kirner Marktplatz. Dort wurde auch mehr Demokratie und Mitbestimmung angemahnt.
Rheinländer: Ja, dort ging es mehr um die verwehrte Mitbestimmung bei der Aufstellung großer Energieanlagen. Was uns dabei fehlte, war weniger das Impressum auf dem Flugblatt als die Glaubwürdigkeit der Initiatorin. Frau Dhonau-Wehner hält treu zur CDU, die noch niemals als Verfechterin von Bürgerrechten aufgefallen ist und jahrzehntelang eine Politik „hinter verschlossenen Türen“ bevorzugt hat. Auch ist Frau Dhonau-Wehner erklärtermaßen keine Unterstützerin eines Gebührenmodells als Maßnahme zum Schutz der Grundwasserreserven im Kirner Land.
Frage: Sie sind ja Experte in Wasserangelegenheiten. Bekommen wir Wasserprobleme, und wenn ja, wie könnte eine Lösung aussehen, und haben die VG-Werke das Know-how, um an den richtigen Stellschrauben zu drehen?
Rheinländer: Experte ist das falsche Wort. Ich habe mich eingearbeitet und meine Erfahrungen mit Behörden gemacht. Zukünftige Wasserprobleme bekommen wir ziemlich sicher. Weil es weniger regnet, nimmt die Grundwasserneubildung im Kirner Land logischerweise ab. Die einzige Lösung wäre, den Wasserverbrauch zu senken und mehr Regen- und Grauwasser aufzubereiten und zu nutzen. Doch senken lässt sich der Verbrauch nur über den Preis, also nur im reinen Gebührensystem mit progressiver Tarifstruktur, wie wir von der BI es schon oft angemahnt haben. Davon jedoch wollen Verwaltung, VG-Werke und VG-Rat nichts wissen. Diesbezüglich kann von Know-how also keine Rede sein.
Frage: Wohin wird sich das Kirner Land entwickeln?
Rheinländer: Sie meinen, über das Wasserthema hinaus? Nun, das sieht sehr düster aus. Wie die meisten anderen Kommunen auch, wird das Kirner Land wohl bankrottgehen. In Zeiten, in denen Kriegstreiber das Parlament, die Regierung und die Medien dominieren und dreistellige Milliardenbeträge in die Aufrüstung umgeleitet werden, müssen nicht nur der Sozial-, der Bildungs- und der Kultursektor bluten. Wenn wir diesen Wahnsinn nicht abwenden, könnten wir uns am Ende auch dort wiederfinden, wo wir 1945 einmal waren.





Ich warte auch schon seit Jahren auf eine klare Wasserstrategie der VG-Verwaltung. Ein Strategie, in der klar hervorgeht wie, und mit welchen Maßnahmen man dem Problem entgegentritt und wie man es abmildern will. Woran hängts?