Mitten in der Nacht: Sirenengeheul und Tatütata – und schon sitzt im ganzen Dorf die halbe Einwohnerschaft senkrecht im Bett. Was ist passiert? Großbrand? Katastrophe? Weltuntergang? Nein, vielleicht brennt irgendwo ein Mülleimer oder es braucht schlicht die Feuerwehr bei einem Einsatz, der für die Bevölkerung keine unmittelbare Gefahr darstellt. Genau deshalb ist die geplante Überarbeitung der Alarm- und Ausrückeordnung im Kirner Land eine ziemlich gute Idee. Die Feuerwehrleute haben inzwischen ihre digitalen Funkmeldeempfänger, die berühmten „Piepser“. Die wissen also, wann sie gebraucht werden. Dafür muss nicht zwangsläufig um drei Uhr morgens das komplette Dorf aus dem Schlaf gerissen werden. Und früher ging es schließlich auch ohne Sirenenkonzert bei jedem Einsatz. Die Sirene war nicht dafür gedacht, dem Dorf mitzuteilen, dass irgendwo gerade ein Feuerwehrschlauch ausgerollt wird.
Ihre eigentliche Königsdisziplin ist eine andere: die Warnung der Bevölkerung. Wenn wirklich eine Katastrophe droht, ein Unwetter eine besondere Gefahr darstellt oder die Menschen schnell gewarnt werden müssen, dann soll die Sirene natürlich heulen – und zwar so, dass auch der Letzte weiß: Jetzt ist etwas Ernstes passiert. Vielleicht ist es sogar ganz gut, wenn die Sirene nicht mehr bei jeder Gelegenheit zum nächtlichen Weckdienst mutiert. Denn wenn sie nur dann ertönt, wenn die Bevölkerung tatsächlich gewarnt werden muss, bekommt ihr Signal wieder Gewicht. Kurz gesagt: Die Feuerwehr hat ihren Piepser, die Bevölkerung ihren Schlaf – und die Sirene darf sich wieder auf die wirklich großen Auftritte konzentrieren. Eine längst überfällige Rollenverteilung, die gemäß Zeitungsbericht jetzt ausgerollt wird.




