Tempo 30: Wenn Bad Sobernheim bremst – und Kirn lieber durchzieht

Ein Beitrag aus der Rubrik Bürgerstimme: Während man in Bad Sobernheim neuerdings beherzt vom Gas geht, bleibt man in Kirn standhaft auf dem Pedal. In Bad Sobernheim hat man den großen Wurf gewagt: Tempo 30 auf der kompletten Durchgangsstraße. Eine Maßnahme, die laut offizieller Lesart für mehr Ruhe, mehr Sicherheit und vielleicht sogar für ein leicht entschleunigtes Fahrerlebnis sorgen soll. Dort scheint man einen rechtlichen Hebel gefunden zu haben – oft läuft das über Lärmschutz oder integrierte Verkehrsplanung. Ganz anders die Lage in Kirn. Dort wurde die SPD-Idee, auf der Obersteiner Straße und der Josef-Görres-Straße ebenfalls durchgängig Tempo 30 einzuführen, unlängst mit der Eleganz eines durchfahrenden Lkw vom Tisch gefegt. Zur Begründung verwies die Ordnungsbehörde auf die geltende Rechtslage: Innerorts gilt Tempo 50 als Regelgeschwindigkeit; eine Reduzierung auf 30 km/h erfordert besondere Gründe, wie etwa Unfallhäufungen oder erhöhte Gefahrenlagen. Diese seien in beiden Straßen jedoch nicht gegeben. Auch die Verkehrsbelastung spreche gegen eine Absenkung der Geschwindigkeit.

Oder anders formuliert: Während man in Bad Sobernheim die Bremse als Fortschritt entdeckt hat, gilt sie in Kirn offenbar weiterhin als optionales Zubehör. Beobachter sprechen bereits von einem verkehrspolitischen Experiment unter Realbedingungen: zwei Städte, eine Region – und die Frage, ob man schneller ans Ziel kommt, wenn man langsamer fährt. Bad Sobernheim ist die Regelgeschwindigkeit von 50 km/h schnuppe. Die Stadt setzt zukünftig auf mehr Entschleunigung und hofft auf weniger Lärm. Kirn hingegen bleibt zurückhaltend. „Geht nicht“, heißt es aus der Verbandsgemeinde. Mag das rechtlich korrekt sein – die Wahrnehmung vieler Anwohner ist jedoch eine andere. Einer hat den Kirner-Land-Nachrichten mit der Bitte geschrieben, die unterschiedliche Bewertung beider Kommunen zum Thema zu machen. Denn wenn die Argumente für Tempo 30 in Bad Sobernheim greifen, drängt sich die Frage auf, warum diese nicht auch auf den Kirner Einfallstraßen möglich sein sollten. Währenddessen dürften die meisten Beobachter und Autofahrer bei dem Thema äußerst gelassen reagieren: Ob mit 30 oder 50 – Hauptsache, der Verkehr fließt.

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