Alarmstufe Rot in Hennweiler: Flyer dürfte für Unruhe vor Neujahrsempfang sorgen

Heute wird ein Flyer in alle Haushalte der Ortsgemeinde Hennweiler verteilt, der bereits jetzt für Gesprächsstoff sorgt. Eine Initiative wirbt darin für ein Bürgerbegehren mit dem Ziel eines Bürgerentscheids zur Frage, ob in der Gemarkung Hennweiler großflächige Photovoltaik-Freiflächenanlagen entstehen sollen oder nicht. Der Zeitpunkt ist dabei alles andere als zufällig gewählt: Morgen findet der Neujahrsempfang statt, bei dem viele nun gespannt auf eine Reaktion des Ortsbürgermeisters warten. Auslöser der Initiative ist ein Beschluss des Ortsgemeinderates vom 27. November 2025. Mit 12 Ja-Stimmen bei 2 Gegenstimmen wurde die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Teilgebiet „Hennweiler Süd und Ost“ beschlossen. Dieser Beschluss gilt als formaler Einstieg in die Planung eines großflächigen Solarparks. Kritisiert wird im Flyer vor allem, dass dieser Schritt ohne öffentliche Beratung, ohne Nachfragen und ohne begleitende Information der Bürgerschaft erfolgt sei. Zwei Ratsmitglieder waren bei der Abstimmung nicht anwesend, ein weiteres erschien erst nach der Entscheidung – auch das wird ausdrücklich erwähnt.

Die Initiative argumentiert, dass die Bürgerinnen und Bürger nun gemäß Gemeindeordnung Rheinland-Pfalz die Möglichkeit hätten, selbst über dieses Vorhaben zu entscheiden. Mit einem Bürgerbegehren könne ein Bürgerentscheid erzwungen werden, sofern mindestens neun Prozent der Wahlberechtigten unterschreiben. Die formalen Anforderungen werden im Flyer erläutert, ebenso der mögliche Termin eines Bürgerentscheids, der aus Kostengründen gemeinsam mit der Landtagswahl im März 2026 stattfinden könnte. In der Tonlage ist der Flyer deutlich zugespitzt. Mit Formulierungen wie „Alarmstufe Rot“ wird ein Gefühl akuter Bedrohung erzeugt. Das geplante Projekt wird räumlich sehr konkret beschrieben: von der Ortseinfahrt über Blickachsen entlang der Hochstraße bis hin zu angrenzenden Wegen und Höfen. Ziel ist es, den Eingriff in das Landschaftsbild greifbar zu machen und deutlich zu zeigen, dass es nach Auffassung der Initiative nicht um ein abstraktes Projekt, sondern um eine sichtbare und dauerhafte Veränderung der Heimat geht.

Zentraler Kritikpunkt ist zudem die wirtschaftliche Seite. Die betroffenen Flächen befinden sich nicht im Eigentum der Ortsgemeinde, weshalb klassische Pachteinnahmen ausbleiben würden. Die Gemeinde würde nach Darstellung der Initiative lediglich an den Erlösen aus der Stromerzeugung beteiligt. Diese Einnahmen seien weder garantiert noch zuverlässig kalkulierbar. Demgegenüber stehe eine irreversible Veränderung des Landschaftsbildes. Zur Untermauerung dieser Argumentation werden frühere Aussagen aus Presseberichten zitiert, die sich teilweise widersprechen – von der Darstellung des Solarparks als bedeutende Finanzquelle bis hin zur Einschätzung, die Einnahmen seien kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Der Flyer bleibt dabei nicht rein sachlich, sondern wird auch politisch deutlich. Dem Ortsbürgermeister wird vorgeworfen, widersprüchliche Aussagen gemacht zu haben, zuletzt die Einstufung des Projekts als „reine Privatsache“ zwischen Projektierer und Grundstückseigentümern. Die zugespitzte Frage, „für wie blöd“ man die Bürger halte, markiert den emotionalen Höhepunkt der Kritik. Gleichzeitig betont die Initiative, dass es ihr nicht darum gehe, Fakten zu ignorieren oder Entscheidungen pauschal zu blockieren. Vielmehr solle bei einem Projekt dieser Größenordnung die Bevölkerung einbezogen werden. Die bereits knapp 200 gesammelten Unterschriften werden als klares Signal für den Wunsch nach direkter Bürgerbeteiligung gewertet. Selbst wenn die rechtliche Prüfung eines Bürgerentscheids noch aussteht, sei politisch bereits jetzt ein deutliches Stimmungsbild entstanden.

Dass der Flyer ausgerechnet am Tag vor dem Neujahrsempfang verteilt wurde, verleiht ihm zusätzliche Brisanz. Die Erwartung an den Ortsbürgermeister ist hoch. Schweigen oder Ausweichen könnten leicht als Ignorieren des Bürgerwillens interpretiert werden. Eine Reaktion – in welcher Form auch immer – scheint kaum vermeidbar. Unabhängig davon, wie man zur Sache selbst steht, zeigt der Flyer eines sehr deutlich: Das Thema Solarflächen in Hennweiler ist kein Randthema mehr. Es berührt Fragen von Transparenz, Beteiligung, wirtschaftlicher Vernunft und dem Umgang mit der eigenen Landschaft. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob daraus ein formeller Bürgerentscheid wird – und wie die kommunalpolitische Führung auf diesen deutlich artikulierten Wunsch nach Mitsprache reagiert.