Der Discounter erfindet sich neu – und das ausgerechnet im Zelt. In Simmertal wird der Netto Marken-Discount aktuell abgerissen, um an gleicher Stelle größer, moderner und – so die Hoffnung – auch ein gutes Stück schöner wiederaufgebaut zu werden. Soweit, so bekannt aus der Welt der Handelsketten. Weniger gewöhnlich ist allerdings die Zwischenlösung: Statt die Türen einfach zu schließen und Kundinnen und Kunden auf umliegende Filialen zu vertrösten, hat man kurzerhand ein Verkaufszelt direkt nebenan aufgestellt. Provisorium? Ja. Aber eines mit überraschendem Charme. Denn wer das Zelt betritt, merkt schnell: Das Einkaufserlebnis leidet kaum. Das Sortiment ist zwar etwas abgespeckt, doch genau das scheint seinen eigenen Reiz zu entfalten. Weniger Auswahl, mehr Übersicht. Die Regale wirken luftiger, die Wege kürzer, der Blick schweift freier. Fast hat man den Eindruck, Einkaufen sei hier ein kleines bisschen entschleunigt worden.
Vielleicht ist es nur eine optische Täuschung – hervorgerufen durch Planen statt Beton, durch Tageslicht statt Neonröhren. Vielleicht aber auch ein Hinweis darauf, dass „größer“ nicht immer automatisch „besser“ bedeutet. In jedem Fall überrascht die Atmosphäre: freundlicher, offener, angenehmer als erwartet. Vor allem aber bleibt festzuhalten: Der Verkauf geht weiter. Keine Vollbremsung, kein „Wir sind dann mal weg“, sondern eine pragmatische Lösung im Sinne der Kundschaft. Das ist nicht selbstverständlich – und verdient Anerkennung. Am Ende könnte man fast sagen: Dieses Provisorium hat Charakter. Und wenn der neue Markt erst einmal steht, wird man sich vielleicht sogar ein wenig wehmütig an die Zeit im Zelt erinnern. Wer hätte das gedacht? Chapeau, das ist gut geworden.




