Nachgehakt: Ein Jahr ohne offene Jugendarbeit in Kirn – und noch immer keine Lösung

Vor einem Jahr eskalierte der Streit um die Finanzierung des Kirner Jugendtreffs. Die Offene Jugendarbeit wurde eingestellt, zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde und dem Landkreis gingen die Fronten hoch. Zwölf Monate später stellt sich die Frage: Was ist seitdem eigentlich passiert? Die Antwort fällt ernüchternd aus: Eine Lösung, die den Jugendlichen in Kirn wieder eine verlässliche Perspektive bietet, ist bislang nicht erkennbar. Dabei war der Bedarf da. Im Jahresbericht 2025 wurden durchschnittlich 33 Jugendliche pro Tag im Kirner Jugendtreff gezählt. Ein Angebot, das jungen Menschen einen Ort zum Treffen, zum Austausch und bei Problemen auch Unterstützung bot. Es ging um weit mehr als Billard, Kicker oder gemeinsames Zocken. Es ging um Betreuung, Orientierung und einen festen Anlaufpunkt im Alltag.

Doch die Finanzierung wurde zum Streitpunkt. Die Evangelische Kirchengemeinde und der Landkreis fanden keine gemeinsame Lösung, die Auseinandersetzung wurde öffentlich ausgetragen. Die Folgen tragen vor allem diejenigen, die bei dieser Debatte eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten: die Jugendlichen. Ein Jahr ist seitdem vergangen. Ein Jahr, in dem Gespräche hätten geführt, Konzepte entwickelt und tragfähige Finanzierungsmodelle gefunden werden können. Und was bedeutet das für die Jugendlichen? Für sie ist ein Jahr vergangen, ohne dass ein vergleichbares, verlässlich verfügbares Angebot erkennbar wiederhergestellt wurde. Während Erwachsene über Zuständigkeiten und Geld streiten, fehlt ein wichtiger Ort der Begegnung. Dass das Thema längst nicht vergessen ist, zeigt auch die Petition „Rettet die Offene Jugendarbeit Kirn!“. Der Förderverein „Der Treff e. V.“ und die Evangelische Kirchengemeinde kämpfen weiter für eine Zukunft des Angebots.

Rund 650 Menschen haben die Petition nach aktuellem Stand unterstützt. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Jugendarbeit vielen Menschen am Herzen liegt. Natürlich muss geklärt werden, wie ein solches Angebot dauerhaft finanziert werden kann. Öffentliche Mittel sind begrenzt, Zuständigkeiten müssen geklärt und Konzepte wirtschaftlich tragfähig sein. Doch genau dafür braucht es konkrete Gespräche, verbindliche Entscheidungen und einen Zeitplan. Ein Jahr später darf deshalb die Frage erlaubt sein: Wer übernimmt jetzt Verantwortung? Gibt es inzwischen ein tragfähiges Konzept? Welche Rolle wollen Landkreis, Stadt, Verbandsgemeinde und Kirchengemeinde künftig übernehmen? Und vor allem: Wann bekommen die Jugendlichen in Kirn wieder eine verlässliche Perspektive? Die Offene Jugendarbeit darf nicht einfach aus dem Blick geraten, nur weil der öffentliche Streit leiser geworden ist. Denn ein ungelöster Konflikt ist noch lange keine Lösung.

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