Fünf Wochen nach der Wahl vom 22. März hängt er noch da. Unerschütterlich. Unbeeindruckt. Unabgehängt: SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer, geschniegelt wie am ersten Tag, mit diesem Lächeln, das irgendwo zwischen Zuversicht und Zahnarzttermin pendelt. „Der Richtige für Rheinland-Pfalz“, verkündet das Plakat weiterhin tapfer – als hätte die Realität höflich beschlossen, sich dieser Aussage einfach nicht anzuschließen. dabei ist er abgewählt worden. Darunter: Pflastersteine, Autowaschplatz, ein bisschen Alltag. Die Republik hat sich längst weitergedreht, Koalition wird geschmiedet, Analysen geschrieben, Schuldige gesucht und gefunden (meistens woanders). Nur hier, in Kirn, scheint die Zeit eine Pause eingelegt zu haben. Vielleicht aus Höflichkeit. Es ist ohnehin rührend, wie demokratische Prozesse im öffentlichen Raum nachhallen. Während Wählerinnen und Wähler ihre Kreuze längst verdaut haben, kleben die Versprechen noch stoisch an Pressspanplatten. Ein bisschen wie Kaugummi unter der Parkbank: schwer zu entfernen, aber irgendwie auch Teil des Gesamtbildes. Man möchte fast glauben, das Plakat halte durch reine Willenskraft. Oder aus Trotz. Vielleicht wartet es einfach auf bessere Zeiten. Oder auf jemanden mit Leiter und Motivation. Bis dahin bleibt es ein Denkmal der politischen Halbwertszeit: Wahlkampf vergeht, Kleister besteht. Und irgendwo zwischen Waschbox und Werbetafel lächelt einer, als wäre nichts gewesen.
Abgewählt, aber nicht abgehängt





Die Grünen haben am Zebra-Markt in Kirn auch ihr großes Plakat von Frau Eder vergessen. Hängt auch noch da.