„Alles nur Übergangsphasen bis der Laden zugemacht wird“ – Oberarzt Rudolf Benz kritisiert neu angedachte Regelungen

Es war eine richtig gute Podiumsdiskussion über das Kirner Krankenhaus vergangene Woche. Das Motto „Medizinische Versorgung: Was braucht Kirn?“ war dabei Programm. Denn was ein Krankenhaus braucht, wissen vor allem diejenigen, die dort täglich arbeiten: Ärztinnen, Ärzte und das medizinische Personal. Allen voran der leitende Oberarzt Rudolf Benz machte mehrfach deutlich, was jetzt notwendig ist, um das Krankenhaus zukunftsfähig und überlebensfähig aufzustellen. Der Blog saß im Zuhörerraum und kam gar nicht nach mit den Notizen. Benz hielt mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Seine leidenschaftlichen und zugleich sachlich fundierten Wortmeldungen prägten den gesamten Austausch. Der erfahrene Mediziner sieht die Politik in der Pflicht: „Politik: Sagt endlich, was Sache ist – so sein Appell! Benz weiter: „Und seid ehrlich zu den Menschen. Einen 24/7-Betrieb können Sie auf Dauer nur aufrechterhalten, wenn die entsprechenden Strukturen vorhanden sind. Dazu braucht es ausreichend Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal – sonst hat man keine Chance.“ Klare Worte, die jeder versteht.

Darüber hinaus brauche es vor allem finanzielle Planungssicherheit – mindestens für fünf Jahre, besser noch für zehn Jahre. Eine verbindliche Laufzeitgarantie stünde über allem. Doch genau diese ist bislang niemand bereit auszusprechen. Diese lähmende Ungewissheit breitet sich zunehmend aus – auch unter den Menschen vor Ort. So entscheiden sich Patientinnen und Patienten im Notfall immer häufiger dafür, direkt nach Bad Kreuznach oder Idar-Oberstein zu fahren, obwohl viele Behandlungen ebenso gut in Kirn möglich wären – bei vergleichbar kurzen Wartezeiten. „80 Prozent der Notfälle, die in den umliegenden Kliniken aufschlagen, könnten auch in Kirn behandelt werden“, schätzt Benz. Eine stattliche Zahl. Das Kirner Krankenhaus ist leistungsfähig – nur wissen das viele Menschen inzwischen nicht mehr. Bei nicht wenigen überwiegt die Meinung: „Das Haus wird ohnehin zugemacht.“

Kirn hat ein massives Image- und Wahrnehmungsproblem. Daran trägt auch die Stiftung kreuznacher diakonie Mitverantwortung, wie in der Diskussion deutlich wurde. Kritisiert wurde vor allem die mangelhafte Öffentlichkeitsarbeit: Das vorhandene Leistungsangebot wird kaum sichtbar gemacht. Kirn findet weder in den sozialen Medien noch auf der eigenen Internetseite statt. Diese Kritik ist berechtigt. Was braucht es noch? Daten und Fakten, die den Erhalt des Kirner Krankenhauses ermöglichen würden, liegen seit Jahren auf dem Tisch. Sie wurden mehrfach diskutiert. Es fehlt nicht an Erkenntnissen – es fehlt am Willen und am Machen. Und zwar in erster Linie bei der Politik, abr auch beim Träger. Es braucht Gemeinschaft und dauerhaften Protest, war immer wieder hörbar. Genau dafür steht die Bürgerinitiative. Sie ist jederzeit bereit, den Druck zu erhöhen. Und das kurzfristig. Das Versprechen wurde gegeben.

Einige Zitate von Rudolf Benz:


„Wir brauchen mal zehn Jahre Sicherstellungszuschlag – und nicht Jahr für Jahr dieselbe Debatte.“


„Alle neuen Regelungen, die jetzt auf dem Tisch liegen, sind für meine Begriffe nur Übergangsphasen, bis der Laden zugemacht wird.“


„Wir haben ein wunderschönes Krankenhaus. Da gehen Sie rein und denken, es ist ein Geisterhaus – während Sie woanders die Krise bekommen.“

„Wir reden immer nur von Geld. Dieses Krankenhaus kann nicht wirtschaftlich arbeiten, weil man es nicht lässt.“


Sorgen Sie dafür, dass dieses Krankenhaus die notwendigen Leistungsgruppen erhält, damit es über zehn Jahre und mehr wirtschaftlich arbeiten kann. Dann haben wir eine Chance – und dann bekommen wir auch junge Ärztinnen und Ärzte“ – an die Grünen gerichtet.

„Politik: Sagt endlich, was Sache ist. Und seid ehrlich zu den Menschen“.

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