Die Rubrik „Bürgerstimme“ ist noch jung bei den Kirner-Land-Nachrichten. Sie bietet Raum für das, was nervt, schiefläuft oder nur stilles Kopfschütteln auslöst. Kurz: für Themen, die Öffentlichkeit verdienen – und sie bislang nicht hatten. Heute kommt Paul-Gerhard Wagner aus Oberhausen zu Wort. Er bezieht Stellung zu großflächigen Photovoltaik-Anlagen. Die folgenden Zeilen stammen aus seiner Feder.
Es war einmal, als die Kinder in der Kinderschule von dem Aussäen im Frühjahr gesungen haben: Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt. Er setzt seine Felder und Wiesen instand. Längst haben Bulldogs und Landmaschinen seit den 1950er-, 60er- und 70er-Jahren die körperliche Arbeit in der Landwirtschaft völlig verändert. Hinzu kommt der starke Rückgang landwirtschaftlicher Betriebe im Kirner Land. Der Mansholt-Plan Ende der 1960er-Jahre hat dazu beigetragen. Heute gibt es im Kirner Land nur noch vereinzelt Betriebe. Dies hat zur Folge, dass es bei Ausfall von Nahrungsmitteln und mangelnder Belieferung der Discounter zu Versorgungsengpässen kommen kann. Ein solcher Ausfall kann viele Gründe haben und ist in unruhigen Zeiten nicht mehr auszuschließen. Einen Vorgeschmack lieferte die Zeit der Pandemie 2020. Einer Krise im Versorgungsfall ist dann nur noch bedingt häuslich durch Vorsorge zu begegnen.
Was heute auf den Äckern, auf den Anbauflächen im Kirner Land angebaut wird, sind Gerste, Hafer, Roggen, Weizen, Mais und Raps. Vermehrt wird Heu gemacht aufgrund der Nachfrage. Kleine Anbauflächen mit Kartoffeln soll es auch noch geben. Es gibt in Deutschland noch 255.010 landwirtschaftliche Betriebe, in denen 876.000 Beschäftigte angegeben werden. Es ist verständlich, dass im Kirner Land auf PV-Anlagen gesetzt wird, wo ein Einkommen gesichert erscheint. Das EEG (Energiegesetz nach Habeck) hat im Jahr 2025 bundesweit deckend Voraussetzungen geschaffen, die auch für Rheinland-Pfalz und die Region Nahe/Hunsrück verbindlich festgelegt wurden. Bundesgesetz beugt hier Landesgesetz und nimmt keine Rücksicht auf Einsprüche bzw. Bürgerentscheide. Was in dieser Sache begehrt wird, hat so keinen Erfolg.
Die einst so umfangreiche Werbung für Fremdenverkehr bzw. Tourismus muss neu gestaltet werden. Das Wandern zwischen Photovoltaikanlagen und unter Windkraftanlagen findet wohl kaum unter Erholungssuchenden im Kirner Land Begeisterung. Der hier gewaltige Aufwand für alternative Energieanlagen mit Sonne und Wind verspricht hohe Gewinne bzw. Kosteneinsparungen für die Verbraucher. Hierbei finden wohl neuzeitliche Berechnungsmethoden statt, die schwer nachvollziehbar sind. Was bei Ausfall der Energieversorgung passieren kann, hat in jüngster Zeit der Stromausfall in Berlin gezeigt. Bei der Versorgung mit Ernährung gibt es in unruhig gewordenen Zeiten wohl auch Überlegungen. So mancher technischer und ökologischer Fortschritt birgt in sich also auch Beeinträchtigungen. Die Digitalisierung, die die KI in der jetzigen Anwendung ergänzt, ersetzt nicht den Verstand und die Vernunft. Sie wirft in dem derzeitigen Wachstumshype bei der Komplexität mehr Fragen als Antworten auf. Elektrische Energie im Kirner Land kann für die Bürgerinnen und Bürger nach wie vor teuer bleiben.
Paul-Gerhard Wagner
55606 Oberhausen bei Kirn




