Nächstes Jahr wird alles besser. Es ist Zeit für Zuversicht. Nicht, weil alles glänzt, sondern weil permanentes Jammern zwar Tradition hat, aber noch nie ein Problem gelöst hat. Also wagen wir das eigentlich Unzumutbare: eine positive Prognose für das Kirner Land. Helm ab, Blick nach vorn. Die Verbandsgemeinde fährt weiter Dampfschiff. Groß, träge, mit historischem Charme. Doch 2026 wird Gas gegeben. Der Umbau des Bürgerbüros kommt im ersten Quartal. Wirklich. Kein Gerücht, kein Prüfauftrag, kein Arbeitskreis. Realität. Auch das Hinterhaus, jahrelang tiefgekühlte Hoffnung, wird energetisch saniert. Kurz: Es wird warm – innen wie politisch.
Und dann der Haushalt. Ein sattes Plus. Ein Moment, der offenbar zu Übermut führt. Plötzlich werden Kilometer Radweg aus dem Radwegeverkehrskonzept gezogen wie Kaninchen aus dem Zylinder. Im Sommer rollen wir über frischen Asphalt, auf Schildern steht, wo man ist, und im Tourismusprospekt wird das Ganze auch noch ernst gemeint. Radverkehr mit Konzept – im Kirner Land. Bitte setzen. Im zweiten Halbjahr wird es waghalsig. Der Wertstoffhof bekommt tatsächlich eine Fläche. Keine Machbarkeitsstudie, kein „in Prüfung“, sondern Boden. Parallel fällt der Startschuss für die neue Rettungswache, und die Stadt Kirn setzt erste Maßnahmen aus der Innenstadtförderung um. Nicht animiert, nicht angekündigt – gebaut. Renderings dürfen Pause machen.
Der Sommer wird zünftig. Im Amalienpark wird geblasen, gegrillt und ausgeschenkt. Blasmusik, Grillhendl, Biergarten. Woche für Woche. Kirn im bayerischen Ausnahmezustand. Lederhose optional, gute Laune verpflichtend. Dann Mainz. Und plötzlich ein Wunder: Das Kirner Krankenhaus bekommt die Bestandsgarantie als Akutkrankenhaus. Schwarz auf weiß. Ärzte kommen. Wirklich. Mit Prämie, Perspektive und Parkplatz. Die BI Kirner Krankanhaus hat nichts mehr zu tun und löst sich auf. Die Bürkle Stiftung baut ein neues Tierheim sowie ein Ärztehaus für die vielen neunen Mediziner, das Jahnbad meldet Rekorde, Kerb und Romantisches Gratenfest schreiben fette schwarze Zahlen. Der Wochenmarkt wird wieder Markt, das Marktfrühstück bleibt und der Feierabendmarkt feiert Wiederauferstehung.
Auch personell geht’s voran. Thomas Jung versprüht seinen versprochenen „frischen Schwung“ und bereitet sich auf seine Wiederwahl vor. Die gilt nach dem Erfolgsjahr 2026 als Formsache. Neuer Seelsorger, neue Biere, neue Eissorten. Die VG-Werke erfinden die Wasserabrechnung bürgerfreundlich neu und ziehen gleich mit um. Das Kreisel-Haus kann endlich verkauft werden. Die Anzeige wird kurz vor Weihnachten geschaltet. Der Bauhof besetzt die ehemalige Post im Mai. Stillstand ist nicht mehr. Sportlich bleibt es nervenstark. Der VfR 07 Kirn steigt nicht erneut ab – Punkt. Der SV Oberhausen rettet sich am letzten Spieltag, wie es sich gehört. Und der Solarpark Hennweiler? Wird nach Bürger-Veto endgültig beerdigt. Keine Träne. Kein Nachruf. Einzig, die Windräder wachsen. Irgendwo muss der Strom ja herkommen. Fazit: Das Kirner Land bewegt sich. Nicht hektisch. Nicht perfekt. Aber vorwärts. Und das ist – prognostiziert mit scharfem Blick – mehr, als man lange zu hoffen wagte.




