WKA-Gegner Gerd Cremer richtet sich an die Landrätin Bettina Dickes und serviert ihr eine Mischung aus politischer Mahnung, technischer Expertise und dramatischer Warnung – gewürzt mit einer ordentlichen Portion Empörung. Er empfindet den Ausbau der Windkraft im Landkreis Bad Kreuznach als eine Art entfesselten „Windrad-Wildwuchs“, der ohne Konzept, Maß oder Rücksicht auf Wald, Bürger oder Gesetz durch den Landkreis galoppiere. Nach seiner Darstellung steht die Landrätin dabei weniger als neutrale Verwaltungschefin da, sondern eher als ungekrönte „Schirmherrin der Windradlobby“, der die Landesregierung den Vorsitz der Planungsgemeinschaft quasi wie einen ungeliebten Wanderpokal aufgedrängt habe.
Cremer kritisiert, die Genehmigungsverfahren liefen so geheim ab, dass man fast glauben könnte, sie fänden in einem Bunker statt. Bürgerbeteiligung sehe er kaum – höchstens in Form von Infoveranstaltungen, bei denen die Betreiberfirmen sprechen und die Bürger anschließend an Schautafeln verteilt werden wie Trauben am Buffet, damit niemand zu viele kritische Fragen auf einmal stellt. Auch finanziell sei das alles ein Trauerspiel: Die Kommunen seien so klamm, dass sie am liebsten jeden Quadratmeter Wald an die Windkraft verpachteten, um ihre Haushalte zu retten. Als ehemaliger Elektroingenieur verweist er darauf, dass das Stromnetz seiner Meinung nach schon jetzt so überlastet sei, dass weitere Windräder nur noch als „Überlastungsbooster“ wirken könnten. Redispatch-Maßnahmen, drohende Stromabschaltungen und internationale Beispiele für Netzüberlastung dienen als Beleg dafür, dass der energetische Weg der Zukunft nicht durch den Landkreis führen sollte – zumindest nicht mit dreißig Meter breiten Transportwegen und Betonfundamenten.
Der Kern seines Schreibens ist eindeutig: Der Ausbau der Windenergie müsse sofort gestoppt oder massiv eingeschränkt werden, sonst drohe im Landkreis Bad Kreuznach ein politischer und gesellschaftlicher Sturm, der stärker sei als jede Windkraftanlage. Da er der Landrätin zutraut, diesen Kurs unbeirrt weiterzufahren, kündigt er für sich persönlich schon die politische Konsequenz an: Der Weg von der CDU zur AfD sei für ihn dann nur noch ein kleiner Schritt – quasi ein „politischer Windwechsel“. Sollte die CDU ihre Linie nicht ändern, prophezeit er ihr einen Absturz, den kein Rotor der Welt noch abfangen könne. Kurzum: Cremer möchte weniger Windräder, mehr Transparenz, mehr Bürgerbeteiligung – und weniger das Gefühl, dass der Landkreis zum Versuchslabor der Windkraftindustrie geworden ist. Die Botschaft ist klar, die Tonlage deutlich – und der Wind, der dem Landratsamt hier entgegenweht, ist steif.
Das Schreiben im Original:




