Die Republik empört sich derzeit über zwei Worte: „Stadtbild“ und „Problem“. Als hätte der Kanzler ein Großreinemachen per Laserkanone angekündigt. In den Medien löst die Formulierung Alarmstufe Rot aus, während viele Menschen im Alltag nur denken: „Hm … so falsch liegt er gar nicht.“ Wie immer bei solchen Statements aus seinem Munde tun sich tiefe Gräben auf. Die einen stimmen ihm vollumfänglich zu, die anderen verurteilen seine Aussagen zutiefst. Dazwischen scheint es kaum etwas zu geben – und das schon eine ganze Woche lang. Als ob es keine anderen Probleme gäbe. Die Kanzler-Diskussion richtet sich dabei nicht gegen die große Mehrheit, die hier lebt, arbeitet und ihren Alltag gestaltet, sondern gegen jene, die offensichtlich nicht angekommen sind: Menschen, die ohne Aufgabe herumstehen, dauerhaft öffentliche Plätze besetzen, Regeln missachten oder schlicht jede Integration verweigern. Und diese Gruppen beeinflussen nun einmal das Sicherheitsgefühl vieler Menschen.
Genau diese von Merz beschriebenen „Problem-Gruppen“ prägen an manchen Orten das Bild – und das sieht man. Merz hat ein Gefühl ausgesprochen, das viele im Land teilen. Wer das leugnet, leugnet die Realität. Selbst der Blick in unserer Region zeigt deutlich, dass es dort Ecken gibt, in denen diese Problemlagen sichtbar werden. Bei uns ist auch nicht alles heile Welt. Zusammengefasst: Kein Vergleich zu den Metropolen, aber auch auf dem Land spüren Menschen, dass manche Situationen Unbehagen auslösen. Und genau darum geht es: Probleme benennen dürfen, ohne sofort als unmenschlich abgestempelt zu werden. Das wirklich Gefährliche wäre nicht, darüber zu reden – sondern wenn wir es nicht mehr dürften.




